Großes Problem mit jungen Gewalttätern: Polizei warnt vor "gravierendem Anstieg"

Chemnitz - In Chemnitz häufen sich brutale Attacken, die von Kindern und Jugendlichen verübt werden. Polizei und Behörden sind alarmiert und suchen nach Möglichkeiten, um gegenzusteuern.

In Chemnitz gibt es ein Problem mit sehr jungen Gewalttätern: Polizei und Behörden sind alarmiert.
In Chemnitz gibt es ein Problem mit sehr jungen Gewalttätern: Polizei und Behörden sind alarmiert.  © Kristin Schmidt

"Es gibt einen deutlichen, teils gravierenden Anstieg der Raubdelikte sehr junger Täter. Dies zeichnet sich ebenfalls in den Zahlen der nichtdeutschen Tatverdächtigen ab", bestätigt Polizeisprecherin Jana Ulbricht (46). "Wir schauen da sehr genau hin und sind in engem Austausch mit der Stadt. Das Thema wird auch im Kommunalen Präventionsrat besprochen."

Daniel Arnold (50), langjähriger Leiter der Jugendsozialarbeit bei der Stadtmission, sieht vielfältige Ursachen für die Entwicklung: "Kinder und Jugendliche spiegeln das Vorbild der Erwachsenen. Nach wie vor erleben wir, dass Gewalt erlernt wird. Sogar zu Hause und im engsten Umfeld der Familie."

Auch die lange Isolation in der Corona-Zeit wirke nach. "Zahllose Jugendliche waren mit ihren Eltern auf engstem Raum 'eingesperrt' und haben Wut, Enttäuschung und Hilflosigkeit aus erster Hand erlebt."

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Angesichts des hohen Anteils junger ausländischer Täter sieht der Sozialarbeiter eine allgemeine Überforderung bei der Integration von Menschen mit Fluchterfahrung.

"Wir müssen uns im Klaren sein, dass jeder Einzelne Dinge gesehen und erfahren hat, die wir nicht mal im Fernsehen erleben. Und es fehlt vorne und hinten an Fachpersonen, um dort auch nur ansatzweise Hilfe bei der Aufarbeitung zu leisten. Hierfür braucht es insgesamt eine sichere Finanzierung der Kinder- und Jugendhilfe."

Geschlossene Einrichtung der Jugendhilfe bleibt Ausnahme

Zuletzt stiegen die Zahlen der Raubdelikte durch sehr junge Täter deutlich.
Zuletzt stiegen die Zahlen der Raubdelikte durch sehr junge Täter deutlich.  © Haertelpress

Auch die Stadtverwaltung betont die Bedeutung von Prävention: "Es braucht gute soziale Strukturen, auch im Rahmen der Jugendhilfe, um delinquentem Verhalten entgegenwirken zu können", so eine Stadtsprecherin.

"Insbesondere bei jungen Straftätern, die häufig straffällig geworden sind, gibt es Beratungen zwischen der Staatsanwaltschaft, der Polizei, dem Jugendamt und der Schule, um Maßnahmen abzustimmen und Perspektiven zu klären."

Die Unterbringung in einer geschlossenen Einrichtung der Jugendhilfe, wie sie für den 13-jährigen Haupttäter des Überfalls auf den Klinik-Chef (Zeisigwaldkliniken Bethanien) vom Familiengericht angeordnet wurde, bleibt die Ausnahme.

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"Das ist nicht einfach, auch weil entsprechende Plätze sehr begrenzt sind", so die Polizeisprecherin.

Warum werden Kinder brutal?

Kommentar von Bernd Rippert

Die jüngsten Polizeimeldungen machen sprachlos: Immer mehr Kinder und Jugendliche werden in Chemnitz gewalttätig oder fallen als brutale Räuber auf. Zuletzt wurde ein leitender Arzt des Klinikums Bethanien Opfer eines 13-jährigen Syrers.

Das Familiengericht zog den Minderjährigen umgehend aus dem Verkehr. Er ist noch nicht strafmündig, darum kam er in ein geschlossenes Kinderheim. Doch damit ist das große Thema junger Gewalttäter nicht vom Tisch. Wir müssen darüber reden, dass immer mehr deutsche, aber noch mehr nichtdeutsche Kinder ohne Gnade zuschlagen.

Das hat oft Gründe. Kinder lernen ihr Verhalten von den Eltern. Wenn zu Hause Gewalt herrscht, wie soll der Nachwuchs dann Konflikte friedlich lösen? Das gilt erst recht für Flüchtlinge, die noch Gewalterfahrungen aus ihren Heimatländern mit sich herumschleppen.

Wir müssen umsteuern. Das heißt: Integration von Flüchtlingen darf nicht wie bisher nur ein leeres Versprechen sein, wir müssen das Thema endlich anpacken. Wir brauchen auch mehr Sozialarbeiter und mehr Stellen, um Kinder aus schwierigen Familien herauszunehmen. Bevor es zu spät ist für die Kinder.

Titelfoto: Haertelpress

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