Immer mehr Kinder- und Jugendkriminalität in Chemnitz! Das sagen Politiker dazu
Chemnitz - Es sind beunruhigende Zahlen: In Chemnitz explodieren die Fälle von Raub-Attacken regelrecht. Das geht aus der aktuellen Kriminalitätsstatistik der Polizei hervor. Besonders auffällig: Viele der Täter sind Kinder oder Jugendliche. Das besorgt nicht nur die Polizei - auch Politiker schlagen Alarm.
Die Kriminalitätszahlen für 2025 lassen aufhorchen: In Chemnitz gab es mehr Gewalt, deutlich mehr Raub-Attacken und mehr Straftaten als im Vorjahr.
Für TAG24 suchte die Chemnitzer Polizei weitere Zahlen heraus. Demnach stieg die Zahl der Raubdelikte in der Stadt im Jahr 2025 um etwa 40 Prozent zum Vorjahr an!
Die Polizei konnte insgesamt 191 Verdächtige schnappen - davon waren 80 Kinder, Jugendliche oder Heranwachsende. Brisant: Von den 80 jungen Räubern hatten laut Polizei 57 nicht die deutsche Staatsbürgerschaft. Das ergibt einen Wert von etwa 71 Prozent nicht deutschen Verdächtigen.
Polizeipräsident Carsten Kaempf (57) sprach von "großen Herausforderungen". Auch die Politik ist gefragt. Daher hakte TAG24 bei Chemnitzer Politikern nach: Was tun, wenn offensichtlich immer mehr Kinder und Jugendliche kriminell werden?
SPD-Stadtrat Renz fordert Turbo-Justiz: "Strafe muss auf dem Fuß folgen"
Dass immer mehr Kinder und Jugendliche in Chemnitz kriminell werden, nehme die SPD sehr ernst, sagt Stadtrat Jürgen Renz (51, SPD).
"Die Ursachen sind vielschichtig: soziale Problemlagen, fehlende Perspektiven, Nachwirkungen der Pandemie sowie Defizite in Prävention und Jugendarbeit spielen eine wesentliche Rolle", erklärt der SPD-Politiker.
Die Debatte über härtere Strafen für kriminelle Jugendliche sei zu einseitig. "Entscheidend ist vielmehr, dass der Rechtsstaat konsequent und verlässlich funktioniert", sagt Renz.
Gerade bei den jungen Tätern müsse die "Strafe auf dem Fuß folgen". Gleichzeitig fordert der SPD-Politiker, dass die Jugendarbeit in Chemnitz weiter ausgebaut wird, um Intensivtäter frühzeitig im Blick zu haben.
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AfD-Stadtrat Köhler: "Kriminelle Asylbewerber konsequenter abschieben"
AfD-Stadtrat Nico Köhler (48) beklagt, dass die Straftaten in Chemnitz steigen, die Aufklärungsquote aber sinkt. Das zeige, dass "Polizei und die Justiz an der absoluten Belastungsgrenze arbeiten".
Besonders der hohe Anteil an Nicht-Deutschen-Tätern beschäftigt die AfD. Von allen ermittelten Verdächtigen hatten 44,3 Prozent nicht die deutsche Staatsbürgerschaft.
"Bei einem Ausländeranteil von 14,7 Prozent ergibt sich eine dreifache Überrepräsentation. 14,7 Prozent stellen 44 Prozent aller Tatverdächtigen", sagt Köhler.
Die Forderung der AfD daher: straffällig gewordene Asylbewerber konsequenter in ihre Herkunftsländer schicken. Das würde die Justiz entlasten und die Verfahren verkürzen.
Linke will mit mehr Präventionsprogrammen gegensteuern
Auch die Linksfraktion spricht von "beunruhigenden Entwicklungen" - vor allem bei Raub-, Gewalt- und Rohheitsdelikten.
Stadträtin Susanne Schaper (48) zeigt sich besorgt, dass die Täter teilweise jünger als 14 Jahre sind: "Das deutet darauf hin, dass es schon bei der Wertevermittlung in Familie und Schule erhebliche Defizite gibt."
Vor allem die Einsparungen bei der Jugend- und Freizeitarbeit in Chemnitz seien für diese Entwicklung verantwortlich.
Schaper setzt bei den jungen Tätern nicht einfach nur auf Strafe, sondern auch auf helfende Intervention. Aus diesem Grund wollen die Linken die Präventionsprogramme und Jugendarbeit in Chemnitz weiter ausbauen - auch wenn das einiges an Geld kostet.
"Ohne angemessene Ausgaben trotz komplizierter Haushaltslage wird das aber nicht zu haben sein", sagt Schaper.
Grünen-Stadträtin Furtenbacher: "Kinder und Jugendliche in den Mittelpunkt politischer Entscheidungen rücken"
"Wenn Jugendliche häufiger zu Gewalt greifen, ist das ein Zeichen dafür, dass etwas grundlegend schiefläuft in der Gesellschaft, in der sie aufwachsen", sagt Christin Furtenbacher (42, Grüne).
Jugendkriminalität entstehe durch Armut, schlechte Bildung, Ausgrenzung und traumatische Erfahrungen. Daher setzen die Grünen auf die Bekämpfung der sozialen Ursachen: mehr Lehrer, mehr Jugendarbeit, mehr Perspektiven.
Die Kinderarmut müsse konsequent bekämpft werden - vor allem in Chemnitz. "Die Stadt verzeichnet sachsenweit eine der höchsten Kinderarmuts-Quoten", beklagt Furtenbacher.
"Vor allem aber müssen Kinder und Jugendliche endlich in den Mittelpunkt politischer Entscheidungen rücken - nicht als Kostenfaktor, sondern als Investition in die Zukunft unserer Gesellschaft", ergänzt die Grünen-Politikerin.
BSW setzt auf Prävention und mehr Polizei
Auch die BSW-Fraktion setzt auf mehr Vorbeugung. "Generell sehen wir in der Prävention - konkret in der Bildung von Sozialkompetenzen und in der Arbeit von Sozialarbeitern vor Ort in Stadtgebieten und Brennpunkten - die wesentlichen Maßnahmen, um einen Anstieg von Straftaten bei Kindern und Jugendlichen entgegenzuwirken."
Die Fraktion spricht sich zudem für mehr Polizeipräsenz aus.
Titelfoto: Bildmontage: Ralph Kunz (4), Kristin Schmidt

