Chemnitz - Das Chemnitzer Schauspielhaus in der Zieschestraße öffnet nach jahrelanger Schließung am Freitag wieder für Besucher. Allerdings nur bis 5. Juli, und Theater gespielt wird auch nicht: Die geschichtsträchtigen Räumlichkeiten füllt das Festival "Begehungen" mit Werken von mehr als 20 teils international renommierten Künstlern. Das Thema ist so treffend wie doppeldeutig: "In der Vorstellung".
Seit klar war, dass die geplante Sanierung des Gebäudes aus Kostengründen auf Eis liegt, bemühten sich die Festivalmacher um den Standort.
Im Herbst 2025 habe OB Sven Schulze (54, SPD) die Nutzung dann persönlich abgesegnet, berichtet "Begehungen"-Vorstand Matthias Döhler (49): "Damals war nicht absehbar, wie sehr das Thema eskaliert. Dass das Schauspiel generell infrage gestellt werden könnte, hätten wir uns nie vorstellen können."
Nun wollen die Festivalmacher nicht nur internationaler Kunst, unter anderem von der weltweit gefeierten KI-Kritikerin Hito Steyerl (60), sondern auch dem politischen Diskurs in der Chemnitzer Stadtgesellschaft eine Bühne bieten.
Es gibt mehrere Diskussionsforen, bei denen die verschiedenen Positionen zu Wort kommen sollen. Auch ehemalige Schauspielhaus-Mitarbeiter sind eingeladen. Aber keine Bürgermeister:
"Wir sind ein Kunstfestival und keine politische Veranstaltung", so Döhler. "Außerdem finden wir, dass die Politiker schon genug geredet haben."
Erstmals Eintritt bei "Begehungen"
Die Gesamtkosten von circa 200.000 Euro - weniger als die Hälfte im Vergleich zum Kulturhauptstadt-Jahr - sind diesmal nur zu einem Drittel mit Fördermitteln gedeckt, noch immer klafft eine Finanzierungslücke.
Darum kosten die "Begehungen" 23 Jahre nach der Gründung auch erstmals Eintritt: 10 Euro, mit Chemnitz-Pass 5 Euro, Kinder und Jugendliche weiterhin frei.
Das Festivalticket ist in den gesamten zwei Wochen gültig. Infos und Rahmenprogramm: www.begehungen-festival.de