Härtefallantrag scheitert! Familie aus Vietnam droht in Sachsen nach 35 Jahren Abschiebung

Dresden/Chemnitz - Die sächsische Härtefallkommission hat am heutigen Freitag das zweite Mal über die Ausweisung des Vietnamesen Pham Phi Son (65) aus Deutschland beraten. Die Kommission lehnte das Gesuch des Mannes, der heute mit Frau und kleiner Tochter in Chemnitz wohnt, ab. Nun droht Pham Phi Son nach 35 Jahren in Deutschland die Abschiebung.

Die Familie aus Vietnam soll nach 35 Jahren abgeschoben werden. Auch eine Online-Petition konnte das nicht verhindern.
Die Familie aus Vietnam soll nach 35 Jahren abgeschoben werden. Auch eine Online-Petition konnte das nicht verhindern.  © www.saechsischer-fluechtlingsrat.de

Pham Phi Son wurde 1957 in Hải Phòng Vietnam geboren. Als junger Mann musste er in den Krieg ziehen, eine Knieverletzung erinnert ihn seitdem an die schlimme Zeit. Im Alter von 30 Jahren kam er 1987 als Vertragsarbeitnehmer in die DDR.

Nach dem Untergang des sozialistischen Arbeiter- und Bauernstaates konnte Pham Phi Son eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis (Bleiberechtsregelung) erwerben. 2011 wurde diese zu einer Niederlassungserlaubnis in Deutschland.

Arbeit, Wohnung, Freundeskreis: Bestens integriert und zufrieden lebte er mit seiner Frau Nguyen Thi Quynh Hoa und Tochter Emilia bis Ende 2018 in Chemnitz. Doch dann fiel der Ausländerbehörde auf, dass er sich 2016 ohne Genehmigung länger als 6 Monate in Vietnam aufgehalten hatte.

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Für den langen Aufenthalt gab es eine plausible Erklärung: Pham Phi Son war auf Urlaub in Vietnam, als er wegen seiner Kriegsverletzung krank wurde. Um zu genesen, unterzog er sich in Hanoi einer Behandlung.

Der erste Antrag der Familie als Härtefall wurde 2019 von der sächsischen Härtefallkommission abgelehnt. Die Ausreise nach Vietnam wurde angeordnet. Auch ein letzter Klärungsversuch von Pater Stefan Taeubner, dem katholischen Seelsorger für vietnamesische Migranten, mit der Stadt Chemnitz im März 2019 blieb erfolglos.

Über 80.000 Menschen unterschrieben danach eine Online-Petition, damit die Familie bleiben kann.

Härtefallantrag zum zweiten Mal abgelehnt: Pham Phi Son (65) ist "am Boden zerstört"

Die vietnamesische Familie könnte nun bald schon abgeschoben werden. (Symbolbild)
Die vietnamesische Familie könnte nun bald schon abgeschoben werden. (Symbolbild)  © Sebastian Willnow/dpa

Die Familie und ihre Unterstützer waren jetzt guten Mutes. Pham Phi Sons Frau hat einen Vollzeitjob in der Gastronomie angenommen. Die in Deutschland geborene Tochter geht in den Kindergarten. In diesem Jahr soll sie in Chemnitz eingeschult werden.

Ob die Kleine nun hier Schuleinführung feiern kann, ist höchst ungewiss. Nach dem Beschluss der Härtefallkommission könnte jederzeit die Abschiebung angeordnet werden.

"Ich habe heute Abend mit Herrn Pham telefoniert. Er ist am Boden zerstört. Ich verstehe nicht, wie man Menschen in eine derartige emotionale Achterbahn treiben kann", sagt der SPD-Landtagsabgeordnete Frank Richter (62).

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Der Meißner hatte sich dafür eingesetzt, dass der gebürtige Vietnamese bleiben kann. Die Nachricht über die Ablehnung am heutigen Freitag traf ihn wie ein Schlag.

Der Politiker fassungslos und frustriert: "Herr Pham kam 1987 als Vertragsarbeiter in die DDR. Nun will Sachsen ihn, seine Frau und seine kleine Tochter nach Vietnam abschieben. Vielleicht würde Angela Merkel auch dazu sagen: Das ist nicht mehr mein Land."

Titelfoto: www.saechsischer-fluechtlingsrat.de, Sebastian Willnow/dpa

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