Auslieferung gefordert: Tschechien will Neonazi Liebich loswerden
Halle/Chemnitz - Seit mehr als einem halben Jahr war die verurteilte Rechtsextremistin Marla Svenja Liebich (55) auf der Flucht. Am Donnerstag konnte die tschechische Polizei die 55-Jährige in Schönbach bei Asch festnehmen. Nun soll Liebich mit viel bürokratischem Aufwand nach Sachsen geholt werden - wenn sie dem zustimmt.
Nach der Festnahme bat die tschechische Polizei die deutschen Behörden, einen Antrag auf Auslieferung zu stellen. Das sagte die Staatsanwaltschaft Halle gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa).
Fakt ist: Die Staatsanwaltschaft will einen solchen Antrag stellen. Aber: Liebich kann die Auslieferung nach Deutschland auch ablehnen. Sollte das der Fall sein, entscheidet die tschechische Justiz über das weitere Vorgehen.
Sollte die Rechtsextremistin der Auslieferung allerdings zustimmen, wird sie nach Chemnitz gebracht. Unklar ist allerdings offenbar noch, ob die 55-Jährige in ein Frauen- oder Männergefängnis kommt.
Denn: Noch bei der Verurteilung trat Liebich als Mann auf, wenig später wurde der Geschlechtseintrag auf weiblich geändert - möglich durch das Selbstbestimmungsgesetz der Ampel-Regierung.
Kritiker warfen Liebich vor, das neue Gesetz auf die Schippe zu nehmen. Auch bei ihrer Verhaftung in Tschechien soll die 55-Jährige eine Glatze und Männerkleidung getragen haben.
Wird Liebich wieder zum Mann? Entscheidung steht noch aus
Das Amtsgericht Halle will nun darüber entscheiden, ob die Änderungen von Vorname und Geschlecht wieder rückgängig gemacht werden können.
Eine Entscheidung stehe noch aus, berichtet die dpa. Liebich habe die Frist zu einer Stellungnahme auslaufen lassen, allerdings Akteneinsicht gefordert.
Ein Richter könne der 55-Jährigen nochmal die Möglichkeit geben, sich zu ihrem Geschlechtseintrag zu äußern.
Liebich war 2023 wegen Volksverhetzung, übler Nachrede und Beleidigung zu anderthalb Jahren Haft verurteilt worden - ohne Bewährung. Aufgrund der Geschlechtsänderung sollte sie im August 2025 ihre Haftstrafe in der Frauen-JVA in Chemnitz antreten - stattdessen tauchte sie unter.
Titelfoto: Sebastian Willnow/dpa
