Emotionaler Abschied: Lichterkette gegen das Aus des Congress Hotels
Chemnitz - Rund um das Congress Hotel in Chemnitz haben Mitarbeiter, ihre Familien und Unterstützer am Sonntagabend ein Lichtermeer aus Kerzen gebildet. Ihr Ziel: sichtbar machen, was sonst übersehen wird - die Menschen hinter dem Hotel und ihre Angst um die Zukunft.
Zur Aktion aufgerufen hatte die Gewerkschaft NGG unter dem Motto: "Gemeinsam mit Herz: Investieren statt ruinieren. Damit die Lichter weiter brennen". Deren Vertreter Thomas Lißner (46) erklärt: "Es geht hier um ein Wahrzeichen der Stadt und eine langjährig gewachsene Belegschaft. So etwas gibt man nicht auf!"
Hintergrund ist die spontane Schließung des Hotels zum 31. Januar - ohne genaue Angabe von Gründen.
Lißner weiter: "Wir lassen den Eigentümer und bisherigen Betreiber nicht aus der Pflicht für eine zukunftsfähige, tragfähige Lösung zu sorgen. Sonst droht nach über 50 Jahren ein Ende des Traditionshauses."
Wahl-Chemnitzerin Simona Mann (58) bedauert die Schließung sehr. Sie hat selbst mehrfach im Hotel übernachtet. "Mir tun besonders die Mitarbeiter leid, die jetzt völlig in der Luft hängen", sagt sie.
Auch Waltraud Raubold ist seit vielen Jahren Stammgast und nennt das Hotel ihr "zweites Wohnzimmer". 1983 war sie das erste Mal da, sammelt bis heute Autogrammkarten und Fotos von Promis, die im Haus abgestiegen sind.
Mitarbeiterin über den Abschied: "Es war ganz schlimm"
Hotel-Mitarbeiterin Marion Reichert (48) hat ihre ganze Familie mitgebracht. Wie es weiter geht, weiß sie nicht. "Wir hoffen aufs Beste und bleiben nicht leise. Mehr können wir leider nicht tun."
Besonders emotional war der Abschied für Lisa Fischer (26), die seit fünf Jahren an der Rezeption arbeitet. Am Sonntagmittag verabschiedete sie den vorerst letzten Gast. "Es war ganz schlimm. Alles schien normal, aber beim Auschecken wurde einem klar, dass es vorbei ist."
Wie es mit den rund 40 Mitarbeitern nach dem Aus weitergeht, ist weiterhin offen. Der Betriebsrat verhandelt zwar über einen Sozialplan, konkrete Zusagen gibt es bislang jedoch nicht.
Unklar bleibt damit nicht nur die Zukunft der Beschäftigten, sondern auch die des Gebäudes selbst.
Titelfoto: Ralph Kunz

