Chemnitz - Seit nunmehr zwei Wochen verunsichern rätselhafte Giftfunde auf dem Gelände der alten Russen-Kaserne die Ebersdorfer Anwohnerinnen und Anwohner.
Immer wieder tauchen neue Ampullen auf, deren genauer Inhalt weiter ungeklärt ist - sogar erhöhte Radioaktivität wurde anfangs gemessen. Nun zieht das Chemnitzer Rathaus die Reißleine und sperrt den kompletten Wald.
"Die Stadt Chemnitz hat eine Allgemeinverfügung erlassen, die das Betreten bestimmter Bereiche des Ebersdorfer Waldes, des Grenzwaldes sowie der südlich davon gelegenen Ruinenflächen regelt", teilte die Stadtverwaltung am Freitagabend mit.
Folgende Regeln gelten ab sofort:
- "Das Betreten von Flächen außerhalb markierter oder ausgewiesener Straßen oder Wege ist untersagt."
- "Das Verbot gilt nicht für Einsatzkräfte, Grundstückseigentümer sowie deren Beauftragte."
- "Im Geltungsbereich gilt ausnahmslos eine Leinenpflicht für Hunde."
- "Die Stadt Chemnitz kann auf Antrag Ausnahmen genehmigen, sofern keine Gefährdungen entgegenstehen."
Die Sperrung sei notwendig, "um mögliche Risiken zu minimieren". Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass weitere Giftfunde auftauchen.
Gelände war militärisches Sperrgebiet
Das Umwelt- und Grünflächenamt hatte in den vergangenen Tagen das betroffene Areal begutachtet. Konkrete Ergebnisse teilte die Stadtverwaltung zunächst nicht mit.
Bis zum Abzug der Roten Armee im Jahr 1992 war das Gelände militärisches Sperrgebiet. Den Chemnitzern bot sich danach ein erschreckendes Bild: wilde Müllkippen, Treibstoff- und Ölfässer sowie andere giftige Substanzen waren einfach verstreut und liegengelassen worden. Die Entsorgung war damals ein großer Kraftakt.
Wie sich nun herausstellt, ist er noch immer nicht bewältigt.