Müllbeseitigung als Ehrenamt: Diese Chemnitzerin macht ihren Dreck jetzt "alleene"

Chemnitz - Wer auf dem Sonnenberg in Chemnitz wohnt, kennt’s: Erst steht eine Tüte da, dann ein Sack - und plötzlich eine halbe Wohnung. Iris Walther (63) hat darauf keine Lust mehr und macht einfach sauber. Sie ist Kopf vom "Dreckweg-Kollektiv" und hat sich vor allem eine Ecke vorgenommen, die lange als Müll-Magnet galt: die Glasmüll-Container hinter der Markuskirche an der Tschaikowski-Straße.

Die gute Seele vom Chemnitzer Sonnenberg: Iris Walther (63) vom "Dreckweg-Kollektiv" sammelt Müll an den Glasmüllcontainern hinter der Markuskirche an der Tschaikowski-Straße.  © Uwe Meinhold

"Viele Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte, war hier komplett alles vermüllt, worüber viele sehr unglücklich waren", sagt Walther.

Sie blieb dran, räumte weg, meldete beim städtischen Mängelmelder, bis der Knoten platzte: Textilcontainer weg, Beet hin. "Wir haben hier ein Blumenbeet angelegt und schauen jeden Tag, dass alles aufgeräumt bleibt."

Das "Dreckweg-Kollektiv" ist kein städtisches Projekt und kein bezahlter Einsatz, sondern Ehrenamt pur. "Reine Bürgerinitiative, die im Mai 2024 als eine Ein-Frau-Initiative angefangen hat", sagt Walther.

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Aus dem Wunsch nach "einem Menschen, der auch mitmacht" wurde eine kleine Armee: "Und jetzt sind wir über 50." Treffen? Regelmäßig auf dem gesamten Sonnenberg, wenn’s geht: "Immer Freitagnachmittag und Sonntag früh."

Organisiert wird per WhatsApp, der Name entstand demokratisch - "nahezu einstimmig". Warum "Kollektiv"? "Die meisten sind so zwischen 30 und 40. Und die fanden das Wort 'Kollektiv' einfach toll."

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Wo 2004 für das "Dreckweg-Kollektiv" alles begann: Der Containerplatz auf der Tschaikowski-Straße, daneben das kleine Blumenbeet.  © privat

Müllsheriffs? Das sagt die Chemnitzerin dazu

Das "Dreckweg-Kollektiv" lädt jetzt auch per Instagram zum nächsten Einsatz am 1. März auf der Schützstraße/Ecke Zietenstraße ein.  © Uwe Meinhold Uwe Meinhold

Das Müll-Problem sei kleiner geworden, "auch durch den städtischen Mängelmelder". Trotzdem bleibt das alte Problem: Viele entsorgen lieber bequem als korrekt. "Das liegt vielleicht auch daran, dass es zu sperrig funktioniert, Sperrmüll anzumelden." Und die Wertstoffhöfe seien "jwd, also weit weg".

Genau da kommt die Politik ins Spiel: CDU-Mann Alexander Dierks (38), Landtagspräsident und selbst Sonnenberg-Bewohner, findet Müllsheriffs weiter sinnvoll und lobt die Truppe: "Ich finde es bemerkenswert, wenn Menschen sagen, sie engagieren sich quasi ehrenamtlich für die Sauberkeit im Stadtteil."

Walther bremst den Sheriff-Traum mit Erfahrung: "Mir ist vielleicht dreimal gelungen, jemanden zu erwischen. Die werfen das zu jeder Tages- und Nachtzeit ab, am Wochenende ganz besonders. Da wären die Personalkosten extrem hoch."

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