Dresden - Vor zehn Jahren starb David Bowie (1947–2016), einer der einflussreichsten Pop- und Rockmusiker. Von Fans wird das exzentrische Chamäleon bis heute schmerzlich vermisst. Zu ihnen zählt auch Star-Schauspieler Alexander Scheer (50, "Sonnenallee", "Gundermann"). Im Bühnenprogramm "Heroes" beschäftigt sich Scheer zum bereits dritten Mal mit David Bowie, singt seine ikonischen Songs, verknüpft sie mit Texten der Lieblingsbücher Bowies. Die literarische Musik-Show ist am Dienstag im Dresdner Kulturpalast zu erleben.
Im Laufe seiner rund 50-jährigen Karriere schlüpfte David Bowie in unzählige Rollen. Der Brite war der verpeilte Hippie-Astronaut Major Tom ("Space Oddity", 1969), war das außerirdische Glam-Rock-Wesen "Ziggy Stardust" (1972), war der von Kokainsucht ausgemergelte "Thin White Duke" in Los Angeles (1976), war New-Wave-Vorreiter ("Scary Monsters", 1980) und globaler Pop-Star im Yuppie-Anzug ("Let's Dance", 1983).
Bowies wohl bedeutendste Karriere-Phase erlebte er 1976–78 in West-Berlin - dort kam er von den Drogen runter und schuf bahnbrechende Alben: "Low" und "Heroes" (beide 1977). Der Titelsong der zweitgenannten Platte ist sein bis heute wohl bedeutendster All-Time-Hit.
"Heroes" gibt auch dem Bühnenabend von Alexander Scheer den Titel, in dem der Schauspieler und Musiker sich Bowies kreativer Welt auf besondere Weise nähert.
Scheer, der als profilierter Bühnenschauspieler unter anderem an der Berliner Volksbühne unter Frank Castorf oder Christoph Marthaler Erfolge feierte, spielt in Filmen verblüffend oft historische Personen - unter anderem Keith Richards, Andy Warhol, Blixa Bargeld oder eben Gerhard Gundermann.
Als dessen Filmporträt 2018 ins Kino kam (Regie: Andreas Dresen), stand Scheer bereits in Bowies nachgelassenem Musical "Lazarus" am Deutschen Schauspielhaus Hamburg auf der Bühne. Es folgte Bowies Verkörperung in der Serien-Neuauflage "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" (2021), ab März 2025 schließlich "Heroes" am Berliner Ensemble, regelmäßig ausverkauft.
Mix aus Konzert und Lesung: "Heroes" verwebt Bowies Lieblingsbücher mit seinen Songs
Scheer bewundert Bowie, auch wenn er ihn erst spät entdeckte, wie er im TAG24-Interview im Frühjahr erzählte. Als Bowie nach West-Berlin kam, wurde Scheer in Ost-Berlin gerade geboren, hatte sich dessen Alben erst nach der Wende besorgt. In der DDR gab es sie kaum.
"Die einzige Konstante im Leben ist die Veränderung", sagt Scheer. Und niemand in der Kunst habe das so ausgelebt wie Bowie. So könne er, Scheer, etwas mit Bowie anfangen und dessen Maxime.
Bowie als Bühnenpräsenz darzustellen, ist auch für den gestanden Bühnenstar Scheer eine Herausforderung. "David Bowie hat scheinbar 35 verschiedene Leben gelebt", sagt Scheer. Sich darauf zu stürzen, sei ein "tollkühnes Unterfangen".
Aber er würde den Musiker Bowie nicht spielen: "Ich gehe als Alexander Scheer auf die Bühne und singe Bowies Lieder." Etwas, das ohne die Erfahrung des "Gundermann"-Films nicht möglich geworden wäre.
"Heroes" ist eine Mischung aus Konzert und Lesung. Bowie - auch das eine eher unbekannte Facette des Künstlers - reiste stets mit Massen von Büchern im Gepäck rund um die Welt. Grundlage für das Programm ist eine von Bowie selbst veröffentlichte Liste der 100 Bücher, die sein Leben und seine Musik in besonderer Weise geprägt haben - von Homer bis Dante, von Alfred Döblin bis Christa Wolf. Scheer und seine Band folgen diesen Spuren und verweben die von Bowie geliebten Texte mit dessen Songs.
Die Show (Konzept: Steffen Sünkel) begann als interdisziplinäres künstlerisches Experiment, entwickelte sich aber zum nachgefragten Hit. Seit dem Frühjahr ist "Heroes" auf bundesweiter Tour; die Vorstellung am Dienstag, 30. Juni, im Dresdner Kulturpalast ist der Abschluss. Resttickets gibt es ab 59,95 Euro.