Bau der Campuslinie: Das kommt jetzt auf die Südvorstadt zu
Dresden - Ab Juni wird's ernst: Zwischen Löbtau und Südvorstadt starten Bauarbeiten für den nächsten Abschnitt der Campuslinie. Für Anwohner heißt das: Zähne zusammenbeißen. Bis 2030 werden Lärm, Umleitungen und Parkplatznot den Alltag prägen.
Mit der Campuslinie entsteht eine neue Straßenbahnstrecke von Löbtau bis Strehlen, seit über einem Jahrzehnt arbeiten Stadtplaner am 324-Millionen-Euro-Projekt. Dieses Jahr ist endlich Baustart für einen großen Bauabschnitt: 1,7 Kilometer Straße - vom Ebertplatz über die Nossener Brücke bis vor den Nürnberger Platz - bekommen neue Gleise, Wege, Haltestellen. Parallel wird die marode Nossener Brücke erneuert.
"Die Campuslinie ist wohl eines der größten Bauvorhaben, das die Landeshauptstadt auf den Weg gebracht hat", sagte Straßenamtsleiterin Simone Prüfer (60) bei der letzten Bürgerveranstaltung. Doch für Anwohner sind Belastungen unausweichlich.
Laut Projektleiter Uwe Schröder (58) wird der Verkehr zwar immer in beide Richtungen fließen können - aber die meiste Zeit nur zweispurig. Bis Jahresende laufen Abbrucharbeiten. Von Januar 2027 bis Mai 2028 sollen nördliche Straßenhälfte und nördlicher Brückenteil gebaut werden, bis März 2030 folgen südliche Straßenseite und Straßenbahnbrücken.
Solange fahren Autos auf der jeweils anderen Seite. Die Brücke wird nachts teils voll gesperrt, am Ebertplatz monatelang unter Vollsperrung gebaut. Erst Mitte 2031 ist die Nossener Brücke komplett fertig.
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Ein Hin und Her: Die Meinung der Anwohner spaltet sich
Natürlich wird es Umleitungen geben - auch in die Wohngebiete hinein. Schleichverkehr, Lärm und mehr Parkdruck wohl inklusive. Doch diese Nebeneffekte seien unvermeidlich, meint die Verwaltung. Projektleiter Schröder: "Im Frühjahr 2030 sollte sich der Verkehr entspannen."
Aber kann die Stadt ihren Zeitplan überhaupt einhalten? Schon jetzt hinkt sie eigentlich hinterher - ursprünglich sollte die gesamte Campuslinie schon 2020 rollen! Allzu viel regnen darf es jedenfalls nicht. "Der Plan ist ehrgeizig. Wir brauchen einen guten Draht zu Petrus, das will ich nicht leugnen", sagte Schröder. Wenigstens zu Fuß sollen Häuser und Wohnungen immer erreichbar sein.
Anwohner äußerten Bedenken. "Meine Eltern sind aufs Auto angewiesen. Ich habe Sorge, dass sie Schwierigkeiten bekommen", meint Anna Nguyen (24). Um die Lärmbelastung sorgt sich Robert Strasser (33): "Wie sehr wird mich die Baustelle stören, wenn ich im Home-Office bin? Ich überlege, wegzuziehen."
Die jahrelangen Bauarbeiten können jedenfalls zur Geduldsprobe werden. Glücklich, wer kein Auto braucht oder eine Garage hat. "Mich wird die Parkplatznot nicht betreffen", sagt Simone Franke (59) von der Eisenstuckstraße. Sie ist zuversichtlich, dass die Planung aufgeht. Die Zeit wird es zeigen.
Titelfoto: Fotomontage/DVB/Steffen Füssel

