Nach Infineon-Deal: Dresdens Abwasser platzt bald aus allen Rohren!

Dresden - Auf rund 1.800 Kilometern schlängelt sich das Abwasser der Landeshauptstadt Dresden durch das einst völlig marode Kanalnetz der DDR. Seit der Wiedervereinigung ist viel passiert. Doch das reicht schon lange nicht mehr aus. Wegen der vielen Industrie-Ansiedlungen im Norden muss nachgebessert werden. Und das ziemlich zügig. Denn die Sprünge der Halbleiterindustrie sind riesig.

Investitionschef Torsten Seiler im neuen Abwasserpumpwerk Rähnitz, das im Januar 2021 offiziell in Betrieb genommen wurde. Bis zu 2,9 Millionen Kubikmeter Abwasser können derzeit jährlich zum Klärwerk Kaditz gepumpt werden.
Investitionschef Torsten Seiler im neuen Abwasserpumpwerk Rähnitz, das im Januar 2021 offiziell in Betrieb genommen wurde. Bis zu 2,9 Millionen Kubikmeter Abwasser können derzeit jährlich zum Klärwerk Kaditz gepumpt werden.  © Stadtentwässerung Dresden

Zwischen Hellerau, Wilschdorf und Klotzsche explodieren die Abwassermengen. Waren es 2018 noch knapp sieben Millionen Kubikmeter, so liefen 2019 rund 8,2 und 2020 schon über 8,9 MIlionen Kubikmeter Schmutz die Rohre entlang.

"Im vergangenen Jahr konnten wir bereits über 9,3 Millionen Kubikmeter verzeichnen", erklärt Torsten Seiler, der als Investitions-Chef für den Ausbau des Kanalnetzes zuständig ist.

Das dürfte schon bald überboten werden. Denn schon jetzt sind allein die Halbleiter-Werke Globalfoundries, Infineon, Bosch und X-Fab mit ihren knapp 8,7 Millionen Kubikmetern für 93 Prozent der Dresdner Industrie-Abwässer verantwortlich.

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Zum Vergleich: Aus der Feldschlößchen-Brauerei kommen knapp 400.000 Kubikmeter jährlich.

Infeneon kündigte vorige Woche bereits an, ein neues Halbleiterwerk bauen zu wollen - mit bis zu 1.000 Arbeitsplätzen für die Region. An der Südostecke des Werks an der Königsbrücker Straße sind Flächen freigehalten worden. Bis 2026 soll der Neubau stehen.

Hoffen auf Baustart 2023

Hightech-Firmen wie Bosch wurden ans Dresdner Abwassernetz angeschlossen. Dafür investiert die Stadtentwässerung kräftig.
Hightech-Firmen wie Bosch wurden ans Dresdner Abwassernetz angeschlossen. Dafür investiert die Stadtentwässerung kräftig.  © Stadtentwässerung Dresden

"Damit wäre das vorhandene Kanalnetz überlastet", erläutert Seiler. Deshalb plant die Stadtentwässerung, einen rund zehn Kilometer langen Hauptkanal zu bauen - den "Industriesammler Nord".

Mit dem rund 47 Millionen Euro teuren Großprojekt sollen auch Möglichkeiten für die weitere industrielle Entwicklung geschaffen werden. Künftig wird das Abwasser direkt von den Gewerbegebieten zur Kläranlage geleitet.

"Die Planung ist bereits sehr weit fortgeschritten", sagt Seiler.

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So konnten die Trasse festgelegt, Grundstücke gesichert und Genehmigungen von wichtigen Behörden eingeholt werden.

"Die Bürger werden von der großen Baumaßnahme nicht viel mitbekommen", erklärt Seiler.

Denn die bis zu 1,6 Meter starken Stahlbetonröhren werden vor allem mit Hydraulikpressen durch die Erde gedrückt. Nur an der Neuländer Straße und im Bereich von Infineon an der Königsbrücker Straße, wo eine 80 Zentimeter starke Röhre geplant ist, muss der Untergrund beim Kanalbau aufgebaggert werden.

Geplanter Streckenverlauf des ISN (Industrie-Sammler-Nord)
Geplanter Streckenverlauf des ISN (Industrie-Sammler-Nord)  © Stadtentwässerung Dresden

"Spätestens 2027 wollen wir unseren neuen Industriesammler fertigstellen", so der Investitions-Chef.

Titelfoto: Stadtentwässerung Dresden

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