Dresdner Staatsoperette feiert 75. Jubiläum: Große Show hinter dem Eisernen Vorhang

Dresden - Was den einen nostalgische Erinnerung, ist anderen ein völlig weißer Fleck: die Unterhaltungstradition ehemaliger sozialistischer Staaten. Die Staatsoperette Dresden widmet sich am Wochenende in einer großen Show der Bühnen- und Filmmusik hinter dem Eisernen Vorhang, begleitet von einer Ausstellung zur Geschichte des Hauses.

Die Staatsoperette Dresden feiert ihr 75. Jubiläum mit einer großen Show samt Ausstellung.
Die Staatsoperette Dresden feiert ihr 75. Jubiläum mit einer großen Show samt Ausstellung.  © Thomas Türpe

"Bretter, die die Welt bedeuten", heißt es am 13. und 14. Mai, nach dem DDR-Operettenkomponisten Gerhard Kneifel.

Unter Leitung von Kapellmeister Christian Garbosnik wird die vielfältige Klangwelt des osteuropäischen Raums zwischen 1945 und 1990 zu hören sein: Ausschnitte aus Gerd Natschinskis Bühnenerfolgen "Mein Freund Bunbury" und "Messeschlager Gisela" bis zu Hanns Eislers "Solidaritätslied" und Filmmusik, unter anderem von Dmitri Schostakowitsch.

Konzipiert hat die Show Chefdramaturgin Judith Wiemers. Sie sagt zu TAG24: "Das 75-jährige Jubiläum der Staatsoperette ist ein passender Anlass, um sich eingehend mit der eigenen Institutionsgeschichte zu beschäftigen."

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Zahlreiche neue Operetten, musikalische Lustspiele und Musicals wurden - häufig unter dem Begriff "Heiteres Musiktheater" - in Dresden erstmals präsentiert. Werke, die mit der Wiedervereinigung von den Spielplänen verschwanden.

"Besonders in dieser Spielzeit möchten wir uns liebevoll und kritisch diesem Erbe zuwenden, uns mit ihm auch künstlerisch auseinandersetzen", so Wiemers.

Judith Wiemers, Chefdramaturgin der Dresdner Staatsoperette, zeigt zum Jubiläum die Bühnen- und Filmmusik in sozialistischen Systemen.
Judith Wiemers, Chefdramaturgin der Dresdner Staatsoperette, zeigt zum Jubiläum die Bühnen- und Filmmusik in sozialistischen Systemen.  © Steffen Füssel

Rückblick auf die sozialistischen Systeme

Staatsoperette in Bildern: das Musical "Liebe macht nicht schwindelfrei" von Volkmar Leimert und Willi Urbanek in einer Inszenierung aus dem Jahr 1971.
Staatsoperette in Bildern: das Musical "Liebe macht nicht schwindelfrei" von Volkmar Leimert und Willi Urbanek in einer Inszenierung aus dem Jahr 1971.  © PR/Staatsoperette

Man wolle die eklektischen Stile des Programms in einen Kontext bringen: "Wie funktionierte Bühnen- und Filmmusik in sozialistischen Systemen? Was erzählen uns die Texte heute, was die Musiksprache?"

Ein Beispiel sei auch Klaus Hugos "Lipsi". Wiemers sagt: "Man erinnert sich an ihn als letztlich gescheiterten Versuch, einen etwas zahmen, staatlich 'verordneten' und systemkonformen Modetanz zu erfinden. Das kann ja nur schiefgehen!"

Insgeheim wurde weiter Rock'n'Roll getanzt. Aber: "Heute können wir den 'Lipsi' als ostalgisch aufgeladenes Kult-Objekt wieder aufleben lassen."

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Das Unterhaltungstheater sollte mit neuen Stücken den sozialistischen Alltag positiv beschreiben und bestärken. Ob das gelang, sei zu bezweifeln, so Wiemers.

Ihre Ausstellung mit Fotos, Plakaten und Programmheften zeige auf, wie die Staatsoperette durchaus versuchte, sich als regimekonforme Institution zu beweisen. Jedoch: "Es kamen aber auch amerikanische Musicals als deutsche Erstaufführungen heraus - das waren absolute Show-Sensationen, die in erster Linie gut unterhalten haben."

Titelfoto: Montage: Thomas Türpe, PR/Staatsoperette

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