"Die Prinzen" begeistern im Kulti: "Es hat nicht so 'n Niveau wie Bertolt Brecht, doch es war nicht alles schlecht"
Dresden - Es gibt Bands, die prägen Generationen und hinterlassen einen bleibenden Eindruck im musikalischen Gedächtnis eines Landes. "Die Prinzen" gehören wohl dazu.
Mit ihrem unverwechselbaren Stil und Sound haben sie seit 35 Jahren die Herzen ihrer Fans erobert und sich als feste Größe in der deutschen Musiklandschaft etabliert. Zu erleben war das am Sonntag im Kulturpalast beim Dresdner Konzert der "Symphonica 2026"-Tour.
Zum 35-jährigen Jubiläum der Band aus Leipzig sollte es etwas Besonderes sein, eben eine Tour mit Symphonieorchester - der Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach.
Das Konzert war nicht nur Feier der größten Hits der "Prinzen", sondern auch Dank an die Anhängerschaft, die jeden Höhenflug mit der Band geteilt hat. Fans aus drei Generationen waren im Publikum versammelt.
"Die Prinzen" - das sind ursprünglich Tobias Künzel (61), Sebastian Krumbiegel (59), Jens Sembdner (wird heute 59), Wolfgang Lenk (59) und Henri Schmidt (58) sowie Bassist Mathias Dietrich (61) und Schlagzeuger Alexander "Ali" Zieme (54). Jeder bringt seine eigene Persönlichkeit ein, wenn auch Künzel und Krumbiegel als eine Art von Doppel-Frontmann vor allem für Stimmung sorgten.
Standing Ovations nach Konzert der "Prinzen" im Kulti
Beeindruckend, wie die musikalischen Arrangements für Band und Orchester (von Wolfgang Lenk) die vertrauten Hits veredeln. Gleichzeitig bedeutet das Musizieren mit Orchester immer auch ein starreres Konzept, das musikalische Spontaneität oder gar Improvisation einschränkt. "Gabi und Klaus" von den "Prinzen" auf Barhockern sitzend zu hören, war schon ungewöhnlich.
Immerhin, der musikalische Mehrwert durch das Symphonische war deutlich stärker. Mit Songs wie "Millionär", "Küssen verboten", "Alles nur geklaut" zogen "Die Prinzen" das Publikum in ihren Bann. Die orchestralen Elemente verliehen den Songs Komplexität und ließen sie in neuem Licht erstrahlen. Die Interaktion zwischen Band und Publikum war ein weiteres Highlight - die Herzlichkeit und die enge Verbindung, die im Lauf der Zeit gewachsen ist, waren jederzeit spürbar.
Aus 30 Songs bestand die Setlist, darunter auch solche des jüngsten Albums "Krone der Schöpfung" (2021) - "Dürfen darf man alles", "Dumme Ideen", "Geliebte Zukunft" oder "Der Mann im Mond ist ein Mädchen". Dabei geizten "Die Prinzen" in Moderation und Songtext nicht mit Selbstironie. "Es hat nicht so 'n Niveau wie Bertolt Brecht, doch es war nicht alles schlecht", heißt es am Ende von "Es war nicht alles schlecht".
Das Konzert endete in einem ekstatischen Finale mit Ovationen im Stehen. Umgeben von jubelnden Fans wurde einmal mehr deutlich: "Die Prinzen" sind ein Teil des kulturellen Erbes Deutschlands nach Wende und Wiedervereinigung. Mit einem Lächeln im Gesicht und vielen aufgefrischten Ohrwürmern im Kopf machten sich die Fans auf den Heimweg.
Titelfoto: Matthias Rietschel

