Dieser Dresdner trainiert für Prinz Harrys Invictus Games
Dresden - Wenn man Hauptfeldwebel Tobias (41) beim Training sieht, ahnt ein Außenstehender nicht, dass er eine Einsatzschädigung erlitten hat. Der Dresdner hat eine Posttraumatische Belastungsstörung. Dass seine Krankheit für andere nicht sichtbar ist, ist ein Problem, gegen das er ankämpfen will. Dabei soll Prinz Harry (38) ihm helfen.
Der britische Royal rief vor fast zehn Jahren die Invictus Games ins Leben - eine Sportveranstaltung für kriegsversehrte Soldaten (siehe auch "Sport als Therapie"). In diesem Jahr finden die Spiele erstmals in Deutschland, genauer gesagt in Düsseldorf, statt.
Unter dem Motto "Meine Verwundung ist unsichtbar, aber mein Wille, sie zu besiegen, nicht" tritt Tobias in den Disziplinen Rudern, Kugelstoßen, Tischtennis und Bogenschießen an.
Der Sport diente ihm lange Zeit als Mittel, um mit den belastenden Erfahrungen irgendwie zurechtzukommen. Der Hauptfeldwebel war 2012 für 185 Tage im Kosovo im Einsatz. "Danach konnte ich nicht mehr im normalen Maße Sport machen. Ich hab's immer komplett übertrieben."
So ist er beispielsweise jeden Tag eine Stunde schwimmen gegangen, um seinen Kopf auszuschalten, wie er sagt. Doch sein Körper machte die hohe Belastung schnell nicht mehr mit.
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Tobias versucht, jeden Tag zu trainieren
Seine "Rettung" war 2016 die Aufnahme in die Gruppe Sport-Therapie der Bundeswehr, die durch die Anerkennung seiner Einsatzschädigung möglich wurde. "Dort habe ich gelernt, dass es auch völlig in Ordnung ist, mal nicht eine bestimmte Strecke zu schwimmen oder zu laufen." Ziel sei es, kontinuierlich, aber weniger Sport zu machen.
Für die Invictus Games läuft das Training längst auf Hochtouren. Besonders intensiv ist dabei das Bogenschießen. Es komme darauf an, immer wieder dieselben Bewegungsabläufe zu üben.
Tobias: "Ich versuche jeden zweiten Tag zu trainieren." Während eines Trainingslagers, "wo wir täglich sechs Stunden geschossen haben", habe die Schulter ordentlich wehgetan. Doch nicht nur körperlich ist die Belastung hoch: "Der Kopf war auch irgendwann voll", erklärt der Soldat.
Zum Ausgleich geht der frühere Leistungssportler gern wandern. Lange Touren schrecken ihn dabei nicht ab. So will er in diesem Jahr zum Beispiel beim Nijmegenmarsch in den Niederlanden teilnehmen.
Bei der viertägigen Marschveranstaltung werden täglich bis zu 50 Kilometer zu Fuß zurückgelegt.
Sport als Therapie
Wenn es im September zu den Invictus Games nach Düsseldorf geht, ist es nicht unwahrscheinlich, dass Hauptfeldwebel Tobias (41) auf den Initiator Prinz Harry (38) trifft. "Er ist jeden Tag, von morgens bis abends, vor Ort", weiß der Dresdner von früheren Events. "Für Soldaten macht er richtig viel."
Seit 2014 veranstaltet Harry diese Sportveranstaltung für Kriegsveteranen. Der Royal selbst diente als Offizier für die britische Armee und war zweimal in Afghanistan. Auf einem der Rückflüge lernte er drei schwerverletzte Kameraden an Bord kennen. Die Bilder und Gedanken ließen ihn nicht los, erklärte er einmal.
"Er wollte Antworten darauf finden, wie Soldaten nach schwersten Verletzungen und seelischen Traumata zurück ins Leben finden", heißt es auf der Invictus-Games-Website.
Harry laut Tobias sehr nahbar
Ein Weg ist der Sport, der die Soldaten verbindet und hilft, die schrecklichen Erfahrungen zu verarbeiten.
Bereits im September vorigen Jahres kamen die Athleten des deutschen Teams in großer Gruppe zusammen. Bei einer Schifffahrt auf dem Rhein trafen sie auf Prinz Harry und seine Frau Meghan (41).
"Als ich Harry persönlich getroffen habe, hat man gemerkt, dass die Invictus Games ein Herzensprojekt von ihm sind", berichtet Soldat Tobias von der Begegnung. Der jüngste Sohn von König Charles (74) sei "sehr nahbar".
Vor allem aufgrund einer Tatsache: "Man kann mit ihm auch schäkern", so der Hauptfeldwebel.
Titelfoto: Bildmontage: Norbert Neumann,IMAGO/PPE

