Geplatzter Späti-Traum in Dresden wird jetzt richtig teuer

Dresden - Was als Traum begann, ist ein Trümmerhaufen: Rund ein Jahr lang kämpfte Marcel Wünsche (46) für die Eröffnung seines neuen Spätis im leer stehenden Eckhaus in Striesen. Jetzt steht er vor den Scherben seiner Existenz.

Vorher war in diesem Eckhaus an der Schandauer Straße in Dresden-Striesen ein Technik-Laden.  © Norbert Neumann

Die Regale sind voll, die Kühlschränke reich an Getränken. Wenige Tage vor Ostern kommt Marcel Wünsche vom Anwalt. Der Blick ist leer, die Stimme zittert: "Ich ziehe mich vom Mietvertrag zurück, will nur noch raus hier."

Im Mai 2025 entdeckte der Neugründer den Leerstand im roten Eckhaus ganz in der Nähe vom Programmkino Ost. Sofort war eine neue Geschäftsidee geboren: ein "Späti mit Niveau".

Nach Antrag beim Bauamt auf Nutzungsänderung vom ehemaligen Technikladen hin zum Späti mit Verkostung (Grill im Außenbereich) nahm Wünsche im September einen Kredit über 40.000 Euro auf, unterschrieb den Mietvertrag (rund 3500 Euro monatlich) und begann mit der praktischen Arbeit.

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Den Traum vor Augen wurden alle Räume von Grund auf saniert, Inventar und Waren gekauft. Anfang Dezember wollte Wünsche öffnen, durfte aber nicht.

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Der geplante Gasgrill für den Außenbereich wurde wegen Geruchsbelästigung und Brandgefahr von der Bauaufsicht abgelehnt.  © Norbert Neumann
Der "Eckkultur"-Späti sollte auch ein Ort zum Verweilen sein, doch die Decke ist nicht brandsicher.  © Norbert Neumann

Bittere Bilanz des Späti-Gründers

Marcel Wünsche (46) bleibt auf all dem Zeug in seinem Späti sitzen.  © Norbert Neumann

Auf seine Beschwerde hin erhielt er später Rückmeldung von Baubürgermeister Stefan Kühn (46, Grüne). Ein Späti könne zwar eröffnet werden, allerdings seien "Brandschutznachweis und Schallschutznachweis" fällig. Genau dies fehlte zum Eröffnungstag.

Zudem, ergänzt Kühn auf aktuelle TAG24-Anfrage, sei Wünsche darauf hingewiesen worden, dass es "im Zuge der Prüfung des Bauantrages zu Nachforderungen kommen kann".

Ein Prozess, der letztlich im Sinne einer Neugründung sei: "So geben manche Bauherrn die bautechnischen Nachweise erst in Auftrag, wenn sie wissen, dass der Antrag genehmigt werden wird", erklärt Kühn die Dresdner Bürokratie.

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Finanziell am Ende und ausgebrannt zieht Wünsche die Reißleine: "Jetzt bin ich nicht nur verschuldet. Ich bleibe auch auf dem ganzen Mist hier sitzen", so die bittere Bilanz des verhinderten Späti-Gründers.

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