Dresden - Es gibt Diagnosen, die das Leben in ein Davor und ein Danach teilen. Wenn ein Kind unheilbar krank ist und die Diagnose "lebensverkürzende Erkrankung" erhält, gerät für Familien plötzlich alles aus dem Gleichgewicht. Vieles dreht sich um Arzttermine und die Sorge, wie lange die gemeinsame Zeit noch bleibt. Genau hier beginnt die Arbeit des Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienstes Dresden (AKHD).
Seit 2006 begleitet der Dienst Familien mit schwer kranken Kindern. Aktuell sind es 37. "Wir begleiten jedes Kind, das die Diagnose lebensverkürzende Erkrankung erhält", so AKHD-Sprecherin Annette Lindackers (61).
Die Krankenkassen bezuschussen die ehrenamtlichen Besuche, solange das Kind lebt. Doch für die Helfer endet die Begleitung nicht mit dem Tod.
72 Ehrenamtliche engagieren sich derzeit. Eine von ihnen ist Susanne Schuppan (57). Seit 2017 ist sie dabei und begleitet seither Sarah (14). In diesen Jahren hat sie miterlebt, wie sich der Gesundheitszustand des Mädchens verschlechtert hat – inzwischen sitzt Sarah im Rollstuhl. "Wir machen alles, was entspannend ist. Spazieren oder in ihrem Zimmer sein."
Dass sie Sarah schon so lange begleiten darf, ist für die 57-Jährige ein Geschenk: "Bei anderen Ehrenamtlichen endet die Zeit mit dem Kind manchmal schon nach wenigen Monaten." Über die Jahre sei deshalb eine enge Verbindung entstanden.
Förderschullehrerin Susanne Schuppan liegt soziales Engagement am Herzen
Zum Ehrenamt kam Schuppan zufällig. Am Fetscherplatz entdeckte sie einen Flyer. "Es hat genau zu meiner Lebensphase gepasst." Ihre drei Töchter waren inzwischen erwachsen. "Sie sind gesund und dafür bin ich so dankbar. Ich wollte unbedingt etwas zurückgeben."
Doch bevor sie eine Familie begleiten durfte, musste die Ehrenamtliche Schuppan eine intensive Ausbildung durchlaufen. "Jeder muss zunächst einen halbjährlichen Kurs machen. Außerdem gibt es Infoabende und Gespräche unter vier Augen, um zu schauen, ob jemand geeignet ist", erklärt AKHD-Sprecherin Lindackers.
So lag es Susanne Schuppan als Förderschullehrerin schon immer am Herzen, sich sozial zu engagieren. Auch deshalb wünscht sich die gebürtige Cottbuserin mehr Offenheit mit dem Thema Tod.
Gleichzeitig hofft AKHD-Sprecherin Lindackers, dass mehr Familien den Mut haben, Hilfe zu beanspruchen: "Vielleicht haben einige Eltern Berührungsängste. Wir wollen sie dazu ermutigen, sich die Hilfe zu nehmen, die ihnen zusteht."
Außerdem ist für das kommende Jahr der Start eines neuen Ehrenamtskurses geplant. Um tatkräftige Unterstützung zu finden, laufen derzeit an verschiedenen Stellen Aufrufe für das freiwillige Engagement. Wer sich vorab informieren möchte, kann am 2. oder 16. September die offiziellen Infoveranstaltungen besuchen.