"Baade 152": Dresdens Triumph und Tragödie

Dresden - Es war ein Meilenstein der Luftfahrtgeschichte: Das erste deutsche Verkehrsflugzeug mit Düsenantrieb - die "Baade 152" - wurde in Dresden bei den heutigen Elbe Flugzeugwerken (EFW) gefertigt, hob zum Stolz der DDR fast auf den Tag genau vor 65 Jahren ab. Zwar kam es nur Monate später zur Katastrophe. Dennoch feierten die EFW jetzt das bedeutende Kapitel der Luftfahrtgeschichte, übergeben historische Dokumente ans Verkehrsmuseum.

Historisch: 1958 rollte die "Baade 152" aus den Werkshallen der heutigen Elbe Flugzeugwerke (EFW) in Klotzsche.
Historisch: 1958 rollte die "Baade 152" aus den Werkshallen der heutigen Elbe Flugzeugwerke (EFW) in Klotzsche.  © EFW

Am vierten Dezember 1958 fand der (öffentlich geheim gehaltene) Jungfernflug der "Baade 152" statt (rund 30 Minuten), dem ersten deutschen Verkehrsjet mit Platz für 40 Passagiere.

"Die bahnbrechende Entwicklung und Produktion der 152 wurden vom Generalkonstrukteur Brunolf Baade und dem Team in Dresden vorangetrieben", teilen die EFW mit.

In den Werkshallen in Klotzsche werden heute Flugzeuge gewartet und umgerüstet. In den 1950er-Jahren wurde hier - damals noch bei den VEB Flugzeugwerken - das erste deutsche strahlgetriebene Passagierflugzeug produziert.

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Das DDR-Prestigeprojekt sollte den Sowjets wenige Monate später bei einem Flug über Leipzig präsentiert werden.

In den 50er-Jahren wurde die "Baade 152" in den Hallen (damals noch VEB Flugzeugwerke Dresden) produziert.
In den 50er-Jahren wurde die "Baade 152" in den Hallen (damals noch VEB Flugzeugwerke Dresden) produziert.  © EFW
Maria Niklaus vom Verkehrsmuseum nimmt eine Mappe mit historischen Dokumenten von EWF-Geschäftsführer Kai Mielenz entgegen.
Maria Niklaus vom Verkehrsmuseum nimmt eine Mappe mit historischen Dokumenten von EWF-Geschäftsführer Kai Mielenz entgegen.  © EFW

Konstruktions- und Pilotenfehler: Maschine stürzte ab

Die Unglücksstelle bei Ottendorf-Okrilla nach dem Absturz des DDR-Jets am 4. März 1959.
Die Unglücksstelle bei Ottendorf-Okrilla nach dem Absturz des DDR-Jets am 4. März 1959.  © BStU

Am 4. März 1959 hob die Maschine in Dresden zum Zweitflug ab, stürzte nach 55 Minuten nahe Ottendorf-Okrilla ab, alle vier Insassen starben.

Ursache war wahrscheinlich eine Kombination aus Konstruktions- und Pilotenfehlern. Damit endete der Traum der DDR-Düsenjets, 1961 wurde die Flugzeugentwicklung endgültig eingestellt.

Dennoch legte Chefentwickler Brunolf Baade (1904-1969) mit "seinem" Flieger den Grundstein für die heutigen EFW.

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Zur Ehrung des Luftfahrtpioniers weihte das Unternehmen (über 2000 Mitarbeiter) im Beisein zweier Baade-Töchter eine Gedenktafel und den Prof.-Baade-Weg auf dem Firmengelände ein.

Mielenz und Baade-Tochter Angelica Sauer weihten die Gedenktafel ein.
Mielenz und Baade-Tochter Angelica Sauer weihten die Gedenktafel ein.  © EFW

Verkehrsmuseum erhält Originaldokumente zur "Baade 152"

Chefkonstrukteur Brunolf Baade (r.) neben seiner "152".
Chefkonstrukteur Brunolf Baade (r.) neben seiner "152".  © Holger Lorenz

Außerdem erhält das Verkehrsmuseum das EFW-Luftfahrtarchiv mit Originaldokumenten zur "Baade 152", darunter technische Zeichnungen und Hand-Kolorationen. Nach Aufbereitung sollen diese in künftigen Ausstellungen ausgestellt werden.

Titelfoto: Bildmontage: EFW, Holger Lorenz

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