Dresdner Kult-Tankstelle macht dicht: "Es rentiert sich nicht mehr"
Dresden - Nach rund 30 Jahren dreht Kai Ackermann (58) den Hahn zu. Eine Tankstelle, die einzige in Dresden-Striesen, hat geschlossen. Was für den Betreiber das Aus eines Lebenswerks ist, bedeutet für viele Nachbarn einen herben Einschnitt im Alltag.
Die bittere Bilanz stand eigentlich schon zu Beginn des Jahres 2025 fest: "Es rentiert sich nicht mehr. Das sage ich entschieden, aber sicherlich mit einer Träne im Knopfloch", konstatiert Ackermann und lehnt mit einer Tasse Kaffee an der ehemaligen Shop-Theke der Wohngebietstankstelle.
Draußen montieren Techniker gerade die beiden Zapfsäulen ab.
Für die Schließung gibt es mehrere Gründe. Bereits der Bau der Waldschlößchenbrücke (Beginn 2007, Eröffnung 2013) habe den Berufsverkehr massiv verändert.
Aber auch die Sperrungen für Verkehrsversuche am Blauen Wunder hätten deutliche Spuren in den Fahrgewohnheiten der Kunden und damit in den Kassen hinterlassen: "Der Kraftstoffpreis ist seit Jahren merklich gestiegen, der Kauf damit zurückgegangen. Zweitautos werden weniger genutzt, die E-Mobilität sitzt der Branche im Nacken."
Früher wurde Ackermann von "TotalEnergies" beliefert, bevor das Unternehmen vom kanadischen Großkonzern "Circle K" aufgekauft wurde. Alle fünf Jahre wurden die Verträge zwischen der Tankstelle in Striesen und dem Kraftstofflieferanten erneuert: "Mit Beginn 2025 haben wir uns darauf geeinigt, dass es sich nicht mehr rentiert und wir den Vertrag nicht wiederholen."
Das Ende der einzigen Tankstelle zwischen Elbe und Großer Garten war besiegelt.
Aus Tankstellen-Shop soll nun ein Pausenraum werden
Auch der Tankstellen-Shop erwirtschaftete zuletzt keinen Gewinn mehr, da sich in unmittelbarer Nähe zwei Spätis befinden.
Die Tankstelle gab es bereits 1967, das Haus sei in den 1930ern erbaut worden. Doch wie lange die Tankstelle in Striesen in Betrieb war, weiß selbst Ackermann nicht. 1996 übernahm er die Tankstelle samt Kfz-Werkstatt: "Die Werkstatt läuft weiterhin gut, und wir machen definitiv weiter."
Aus dem ehemaligen Shop im Vorderbereich der Werkstatt soll zunächst ein Pausenraum für die sieben fest angestellten Mitarbeiter entstehen.
Titelfoto: Eric Münch
