Holger John wehrt sich gegen Angriffe: "Das ist Rufmord"

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Dresden - Ein Banner zerschnitten, ein Gittertor mit zugeklebten Schlössern blockiert, kopierte Handzettel zur Vernissage, ausgeschaltete Überwachungskameras, ein Brief der Studenten an das Rektorat der Kunsthochschule - die Ausstellung "Alles so schön bunt hier" von Holger John (66) im Oktagon wird seit der Eröffnung am 30. April massiv gestört.

"Der Schnitt durch das Banner fühlt sich wie ein Schnitt durch die eigene Kehle an", zeigt sich Holger John erschüttert.
"Der Schnitt durch das Banner fühlt sich wie ein Schnitt durch die eigene Kehle an", zeigt sich Holger John erschüttert.  © Robert Michael/dpa

Worum geht es? In einem der Redaktion vorliegendem Brief an Rektor Oliver Kossack (59) fordert die unterzeichnende "Studierendenschaft" Aufklärung in acht Punkten - und die vorzeitige Schließung der Schau.

Unter anderem wird die Vergabe und Finanzierung der Ausstellung hinterfragt. Es wird behauptet, John habe "unter Alumni den Ruf, sich auf Ausstellungseröffnungen Frauen gegenüber übergriffig zu verhalten".

John weist die schweren Vorwürfe weit von sich: "Das ist Rufmord. Wenn einer bei Vernissagen von Groupies belästigt wird, dann bin ich das."

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Unter Kritik steht im Brief Johns Nähe zu Rammstein-Sänger Till Lindemann (63), der 2014 Gedichte, Zeichnungen und Objekte in der Galerie John ausgestellt hatte.

Lindemann wurde 2023 sexueller Übergriffe beschuldigt - die Berliner Staatsanwaltschaft stellte im August 2023 ihre Ermittlungen gegen den Sänger mangels hinreichenden Tatverdachts ein.

Holger John hält die Schlösser in den Händen, mit denen der Zugang zu seiner Ausstellung "So schön bunt hier" im Oktogon blockiert wurde.
Holger John hält die Schlösser in den Händen, mit denen der Zugang zu seiner Ausstellung "So schön bunt hier" im Oktogon blockiert wurde.  © Robert Michael/dpa
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Galerist Holger John (l.) mit Rammstein-Sänger Till Lindemann zur Eröffnung der Ausstellung "In stillen Nächten" 2013.
Galerist Holger John (l.) mit Rammstein-Sänger Till Lindemann zur Eröffnung der Ausstellung "In stillen Nächten" 2013.  © Andreas Weihs
Eindeutig in Wort und Geste: Rammstein-Sänger Till Lindemann performt den Song "Mein Teil".
Eindeutig in Wort und Geste: Rammstein-Sänger Till Lindemann performt den Song "Mein Teil".  © picture alliance/dpa

Auch Kultur-Ministerin Klepsch und die CDU bekommen in dem Brief ihr Fettweg

Künstler Holger John in seiner Oktogon-Ausstellung - er steht den anonymen Anfeindungen fassungslos gegenüber.
Künstler Holger John in seiner Oktogon-Ausstellung - er steht den anonymen Anfeindungen fassungslos gegenüber.  © Robert Michael/dpa

Angegriffen werden im Brief des Weiteren die CDU und Kultur-Ministerin Barbara Klepsch (60), die "für massive Kürzungen in der Kulturbranche verantwortlich" seien.

"Bundesweit führt die CDU einen massiven Kulturkampf gegen Weltoffenheit und Toleranz und übernimmt zunehmend Positionen der AfD", heißt es im Brief, der einem Rundumschlag gleicht und der Hochschule patriarchale Seilschaften unterstellt.

Laut Nachrichtenagentur dpa sei weder Rektor Oliver Kossack noch Kanzler Jochen Beißert bekannt, wer hinter den Protestaktionen steckt: "Die Hochschule hat Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet. Die HfBK Dresden hat nach jedem Eingriff den Zugang zur Ausstellung wiederhergestellt. Beschädigte Sachen wurden beziehungsweise werden entweder ersetzt oder repariert."

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Zudem habe man weitere Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Die Ausstellung schließt planmäßig am 31. Mai.

Titelfoto: Bildmontage: Robert Michael/dpa

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