"Lasst doch die Leute mal machen": OB Hilbert verteidigt Verkaufspläne des Lingnerschlosses
Dresden - Soll das Lingnerschloss in städtischen Händen bleiben oder für die nächsten 44 Jahre an die beiden reichen Unternehmer Thomas Bohn (58) und Oliver Kreider (60) verkauft werden? Während die Stadtpolitik überwiegend kritisch auf die plötzlich bekannt gewordenen Privatisierungspläne reagierte, erhalten die Investoren jetzt Rückendeckung von OB Dirk Hilbert (54, FDP).
Dresdens Stadtoberhaupt verteidigte am Montag am Rande eines Termins am Goldenen Reiter, wo auch der SPD-Nachwuchs mit einem Banner gegen die Verkaufspläne protestierte, den möglichen Verkauf des Erbbaurechts für 1,65 Millionen Euro.
"Warum wollen wir in unserem Land nicht mal Leute, die unternehmerisch erfolgreich waren, die sagen, wir wollen der Gemeinschaft etwas zurückgeben, machen lassen?", fragte Hilbert.
Der Interimsbetrieb im Lingnerschloss, der seit September 2024 in Absprache mit der Insolvenzverwaltung über die kommunale STESAD läuft, sei defizitär. Man habe kein Konzept für eine wirtschaftliche Betreibung.
Der OB sprach von rund 300.000 Euro pro Jahr an zusätzlichen Kosten, die im Zweifel die Stadt tragen müsste, hinzu käme noch der Ankaufspreis.
"Wir wundern uns immer, dass wir in immer mehr Defizite hineinmarschieren und keine Hilfe da ist. Lasst doch die Leute mal machen", forderte Hilbert.
Jeden Morgen die wichtigsten Nachrichten direkt in dein Postfach.
- Lokale Nachrichten aus Dresden & Umgebung
- Exklusive Hintergrundberichte
- Jederzeit abbestellbar
OB Hilbert verteidigt den "Sonnenkönig von Radebeul"
Er habe große Sammlungen und es gebe erfolgreiche Leute, die das auch gerne zeigen wollen, "lasst ihn doch", sagte Hilbert mit Blick auf Kreider.
Der Millionär hatte die Friedensburg in Radebeul entgegen dem Wunsch der Gemeinde ohne öffentlichen Zugang zum protzigen Luxus-Wohnanwesen ausgebaut, wird darum auch "Sonnenkönig von Radebeul" genannt. Wenn er sich an das Erbbaurecht und die Rahmenbedingungen halte, sei das doch "wunderbar".
Befürchtungen, das Schloss wäre künftig vielleicht nicht mehr zugänglich, teilt Hilbert nicht. "Da werden Gespenster an die Wand gemalt, die mit dem Erbbaurechtsvertrag nicht einhergehen", sagte er. Lehne der Rat den Verkauf ab, müsse man weiter klagen, "Ausgang offen", warnte Hilbert.
Die SPD-Fraktion will mit einem Eilantrag im Rat die Privatisierung stoppen. Das fordert auch eine neue Bürger-Petition: "Lingners Vermächtnis bewahren – kein Verkauf des Lingnerschlosses!"
Titelfoto: Bildmontage: Thomas Türpe / IMAGO/imagebroker
