Vom Regen in die Traufe? So marode sind Dresdens Schutzräume für Kinder
Dresden - Dort, wo Kinder in Not Schutz und Geborgenheit finden sollten, regiert der Verschleiß. Die Gebäude des Dresdner Kinder- und Jugendnotdienstes sind seit Jahren marode. Ein Stadtrat nennt den Status quo einen "Skandal".
Der Kinder- und Jugendnotdienst soll Kinder aus schlimmen Verhältnissen auffangen, ihnen akut Obhut und Sicherheit geben. Etwa vor Verwahrlosung, schlagenden Eltern oder Drogenmissbrauch in der Familie. Warum bekommen sie keine würdige Unterkunft?
Seit 1991 ist das Gebäude am Rudolf-Bergander-Ring in Prohlis Anlaufstelle für notleidende Kinder.
Ein schäbiger Plattenbau aus DDR-Zeiten mit einem tristen Vorplatz voller Unkraut, weit ab vom Schuss am Gewerbegebiet.
Zutritt für Außenstehende verboten, aber TAG24 weiß: Das Gebäude ist innen wie außen verschlissen.
"Der Sanierungsbedarf ist dem Grunde nach seit der Inbetriebnahme bekannt", gibt das Rathaus zu.
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Die Finanzierung für den Neubau ist bislang nicht gesichert
Die Platte in Prohlis und auch der Zweitstandort an der Teplitzer Straße (2017 eröffnet) wiesen "seit mehreren Jahren größere Instandsetzungsbedarfe auf, welche sich mittlerweile anstauen".
Blech rostet, Putz bröckelt, Fenster sind mit Holz vernagelt. Die Stadt zählt noch Wasserschäden, Schäden an Möbeln und Schließanlagen auf.
Stadtrat Johannes Schwenk (34, CDU) empört: "Die Sanierung wird seit Jahren verschleppt, dabei ist der Bauzustand innen wie außen ein Skandal." Baubürgermeister Stephan Kühn (46, Grüne, seit 2020 im Amt) setze seine Prioritäten offenbar woanders, meint der Politiker.
Immerhin hatte der Stadtrat beschlossen, dass ein Ersatzneubau in Reick gebaut werden soll. Bis der steht, werden aber Jahre vergehen. Warum nur spart die Stadt an Reparaturen, ließ und lässt die Gebäude sichtbar verwahrlosen? Schwer vorstellbar, dass sich Kinder hier wohlfühlen, vor allem in Prohlis.
Auf TAG24-Anfrage verweist Kühns Geschäftsbereich auf die "mittelfristige Perspektive" beider Häuser. Man habe mit "der vermehrten Unterbringung Geflüchteter ab 2015 und der Corona-Pandemie ab 2020" andere Prioritäten setzen müssen. Mittlerweile belaufen sich die geschätzten Investitionskosten für den Ersatzneubau auf 14,5 Millionen Euro. Doch die Finanzierung ist nicht gesichert.
Titelfoto: Bildmontage: 123RF, Thomas Türpe

