Wegen eines Behördenumzugs: Glasbrunnen hat ausgeplätschert
Dresden - Im Mai startet die Brunnensaison. Nachdem die Verwaltung im vergangenen Jahr zunächst nur wenige Wasserspiele anwerfen wollte, die Entscheidung nach massiver Kritik korrigierte, will Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (60, Grüne) diese Saison die Wasserspiele wie gewohnt sprudeln lassen. Doch sieben Springbrunnen bleiben trocken, darunter der bekannte Glasbrunnen am Pirnaischen Platz - dabei lief die Anlage vorigen Sommer noch.
Der außergewöhnliche Glasbrunnen vor dem ehemaligen Robotron-Gebäude an der Grunaer Straße wurde 1975 nach einem Entwurf der Dresdner Künstlerin Leoni Wirth (1935-2012) errichtet.
Er ist laut Landesamt für Denkmalpflege nicht nur als gestalterisch hochwertiges Werk künstlerisch von Bedeutung, sondern bildet mit dem Vorplatz (Pflanztröge aus Mosaik, kreisförmige Bodenplatten, Blumenbeet) eine Einheit.
"Es existieren kaum vergleichbare Objekte in Sachsen, wodurch der Glasbrunnenplatz Seltenheitswert besitzt", schreiben die Denkmalschützer.
Doch während sich am kühlen Nass vergangenen Sommer noch Jung und Alt erfreuten, fehle nun die Brunnentechnik, antwortete die Verwaltung auf eine Anfrage von Team Zastrow (TZ).
Jeden Morgen die wichtigsten Nachrichten direkt in dein Postfach.
- Lokale Nachrichten aus Dresden & Umgebung
- Exklusive Hintergrundberichte
- Jederzeit abbestellbar
Der schöne Glasbrunnen könnte bald wieder sprudeln
Grund dafür ist aber nicht wie sonst üblich Verschleiß (der Glasbrunnen wurde 2007 saniert) oder Vandalismus.
Stattdessen befindet sich der Technikraum mit elektronischer Schaltanlage und Pumpe im Keller des alten Robotron-Gebäudes.
Darin hatte sich auch die Verwaltung mit einigen Ämtern eingemietet, doch mit Umzug ins neue Stadtforum wurde der Mietvertrag Ende 2025 gekündigt, Anschlüsse im Keller wurden zurückgebaut.
"Der Brunnen kann erst wieder in Betrieb genommen werden, wenn außerhalb des Gebäudes ein neuer Technikraum mit Medienanschlüssen (Strom, Wasser, Abwasser) verortet und errichtet wird", teilt das Rathaus auf eine weitere TZ-Anfrage mit.
"Der Brunnen muss laufen. Das Rathaus schafft es nicht, eine pragmatische Lösung zu finden", kritisiert TZ-Fraktionschef Holger Zastrow (57), verleiht der Umweltbürgermeisterin dafür symbolisch seine "Kröte der Woche".
Tatsächlich stehe einer Weiternutzung des Technikraumes von der Eigentümerseite nichts entgegen, teilt der fürs Haus zuständige Architekt Jens Zander (56) mit. Der schöne Glasbrunnen könnte also bald wieder sprudeln.
Titelfoto: Bildmontage: privat, Steffen Füssel

