Mega-Blackout im Umspannwerk: Anschlagsgerüchte sorgen für Wirbel

Dresden - Viele Dresdner erinnern sich noch an den Ballon, der vor zwei Jahren ein Umspannwerk lahmlegte, damit einen großflächigen Stromausfall auslöste. 300.000 Haushalte bis ins Umland waren betroffen. Jetzt sorgt ein Medienbericht für Verwirrung, der Spekulationen über einen möglichen Anschlag verbreitet.

Ein Kurzschluss im Umspannwerk Dresden-Süd sorgte vor zwei Jahren für einen großflächigen Stromausfall in Dresden und Umgebung.
Ein Kurzschluss im Umspannwerk Dresden-Süd sorgte vor zwei Jahren für einen großflächigen Stromausfall in Dresden und Umgebung.  © Roland Halkasch

Rückblick: Ab 13.53 Uhr ging am 13. September 2021 (Montag) vorübergehend nichts mehr. Computer gingen aus, Lichter erloschen, Menschen blieben in Aufzügen stecken. Kühltheken fielen aus, sogar Straßenbahnen blieben stehen, ebenso wie Produktionsanlagen in modernen Chipfabriken.

Für viele Betroffenen war der "Spuk" nach wenigen Stunden vorbei, gerade Industrie-Unternehmen hatten jedoch noch Tage später Probleme, teils auch Schäden, einige Bahnen der DVB mussten repariert werden.

Die Absturzursache war schnell ausgemacht: Ein metallbeschichteter Luftballon hatte eine neuralgische Stelle im Umspannwerk Dresden-Süd getroffen, einen Kurzschluss ausgelöst.

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Die Polizei ermittelte umfangreich, im März 2022 stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren ein, konnte keinerlei Anhaltspunkte für ein vorsätzliches Handeln finden.

Frank Brinkmann (57) ist der Vorstandsvorsitzende der SachsenEnergie.
Frank Brinkmann (57) ist der Vorstandsvorsitzende der SachsenEnergie.  © Eric Münch
Das sind die aufgefundenen Überreste des metallbeschichteter Luftballons.
Das sind die aufgefundenen Überreste des metallbeschichteter Luftballons.  © SachsenNetze

Hat ein Drohnen-Angriff den Stromausfall ausgelöst?

Polizeisprecher Thomas Geithner (49) präsentierte damals Beweismaterial.
Polizeisprecher Thomas Geithner (49) präsentierte damals Beweismaterial.  © dpa/Sebastian Kahnert

Nun aber sorgt eine große sächsische Tageszeitung für Aufregung, veröffentlicht Mutmaßungen des SachsenEnergie-Vorstandsvorsitzenden Frank Brinkmann (57) aus einem Hintergrundgespräch.

Demnach seien vorm Ballon-Vorfall über dem Umspannwerk Drohnen gesichtet und gefilmt worden. Diese könnten die besonders sensible Stelle ausgekundschaftet haben.

Mehrmals ist im Artikel von einem "möglichen Anschlag" die Rede. Erste Politiker wie Linken-Fraktions-Chef André Schollbach (44) fordern bereits umfassende Aufklärung.

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SachsenEnergie stellte dazu am MIttwoch klar, man habe in den Monaten nach dem Vorfall Einsicht in die Ermittlungsakten nehmen können. "Die dort enthaltenen Informationen lassen aus Sicht des Unternehmens viele Fragen offen", so eine Sprecherin. Der Fall sei allerdings behördlich abgeschlossen und es lägen keine neuen Erkenntnisse vor.

Nach Informationen von TAG24 dürften sich Brinkmanns Äußerungen auf einen Vorfall vor dem Stromausfall beziehen, die er offenbar anders interpretiert als die Ermittler.

Laut Oberstaatsanwalt Jürgen Schmidt (58) habe ein Zeuge Bilder von einem Ballon (nicht Drohnen), der in der Nähe des Umspannwerks gesichtet wurde, zur Verfügung gestellt. Diese Bilder waren zwei Tage vorm Stromausfall aufgenommen worden.

Die Spur wurde verfolgt, änderte jedoch nichts am Ermittlungsergebnis - Hinweise auf eine Straftat liegen bis heute nicht vor.

Titelfoto: Montage: Roland Halkasch, dpa/Sebastian Kahnert

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