Dresden - Seine Amtszeit endet in gut einem Jahr: Wie geht es weiter für Stephan Kühn (46, Grüne)? Spätestens seit dem Einsturz der Carolabrücke scheiden sich die Geister über seine Bilanz. Im TAG24-Interview kündigt der Baubürgermeister an, für eine zweite Amtszeit kandidieren zu wollen.
TAG24: Herr Kühn, Sie haben Ihr Amt im Oktober 2020 von Ihrem Vorgänger Raoul Schmidt-Lamontain (49, Grüne) übernommen. Sind Sie zufrieden damit, wie sich Dresden seither entwickelt hat?
Stephan Kühn: Die Stadt entwickelt sich zum Positiven und das ist sichtbar. Die Entscheidung für das Stadtforum war ein richtiger Impuls, der Plan für den Wiener Platz ist beschlossen, wir bauen den Promenadenring weiter. Und mit der BUGA werten wir den öffentlichen Raum in den nächsten Jahren weiter auf.
TAG24: Gibt es etwas, das Sie bereuen? Stichwort Verkehrsversuche, Fahrradbarometer.
Ich möchte nicht ausschließen, dass ich Fehler gemacht habe. Ich habe ein sehr hohes Arbeitspensum und Engagement. Dass da mal etwas nicht so gut läuft, gehört dazu. Ich würde Sachen vielleicht anders kommunizieren. Weder die Verkehrsversuche noch die Fahrradbarometer sind jedoch Fehler, sondern ganz einfach umgesetzte Beschlüsse des Stadtrats.
TAG24: Wie viele Stunden arbeiten Sie in der Woche? Sind Sie ständig erreichbar?
Deutlich über 40 Arbeitsstunden. Klar bin ich ständig erreichbar, ein Baubürgermeister ist immer im Dienst. Man wird ja auch angesprochen, wenn es 2 Uhr nachts nach der Schlössernacht ist.
Stephan Kühn weist Vorwürfe zurück, Mitschuld am Einsturz der Carolabrücke zu tragen
TAG24: Kaum ein Beigeordneter wird öffentlich so angefeindet wie Sie. Insbesondere von rechts wird Ihnen ein Feldzug gegen Autofahrer unterstellt.
Manchmal fragt man sich, ob es hier noch um inhaltliche Fragen geht oder einfach nur darum, persönlich den Baubürgermeister anzugreifen. Ich will mal sagen, kein Bürgermeister hat es vorher zustande gebracht, die Stauffenbergallee zu sanieren. Da möchte mir mal jemand erzählen, ich würde nichts für Autofahrer tun.
TAG24: Machen Ihnen die Anfeindungen zu schaffen?
Ich bekomme auch sehr viel Zuspruch und Dankbarkeit dafür, dass ich mich zum Beispiel um sichere Radwege kümmere.
TAG24: Es gibt Menschen, die Ihnen eine Mitschuld am Einsturz der Carolabrücke geben.
Es gibt ein Gutachten zum Brückeneinsturz, das ganz klar belegt, dass sich weder der Oberbürgermeister noch ich noch das Straßen- und Tiefbauamt Versäumnisse vorwerfen lassen müssen. Entsprechend hat die Staatsanwaltschaft auch die Ermittlungen eingestellt.
TAG24: Haben Sie nach dem Einsturz über einen Rücktritt nachgedacht?
Nein, weil ich mir ja nichts zuschulden kommen lassen habe.
Dresdens Baubürgermeister Stephan Kühn zieht eine positive Bilanz
TAG24: Der Oberbürgermeister erwägt, zwei Beigeordnetenstellen im Rathaus einzusparen. Wäre Ihr Posten als Baubürgermeister denn entbehrlich?
Wir haben im Verkehrs- und im Hochbaubereich viele wichtige Projekte. Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass das ohne einen Baubürgermeister, der sich um diese Themen kümmert, das Geld ranholt und die Planung vorantreibt, gelingen kann.
TAG24: Im Oktober 2027 endet Ihre Zeit. Wollen Sie eine zweite Amtszeit?
Ich glaube, meine Bilanz ist sehr gut. Ich habe viele Projekte persönlich angeschoben, die jahrelang gewünscht, aber nicht umgesetzt wurden. Etwa der Bau der Campuslinie oder die Sanierung des Blauen Wunders. Im September fangen wir an, die Königsbrücker Straße zu bauen, nach Jahrzehnten der Diskussion. Insofern gibt es genügend Aufgaben für eine zweite Legislatur. Ich habe Interesse, diese Projekte zu vollenden.
TAG24: Das ist aber noch kein klares Ja oder Nein.
Der Stadtrat trifft die Entscheidung, ob er mich diese Projekte für weitere sieben Jahre voranbringen lässt.
TAG24: Aber dazu müssten Sie erstmal bereit sein?
Ich bin dafür bereit, ja.
TAG24: Halten Sie das angesichts der Mitte-Rechts-Mehrheit im Stadtrat für realistisch?
Das werden die Verhandlungen zwischen den Fraktionen zeigen.