Max Aschenbach im Stadtrat: "Ich kann die Arschlöcher ärgern, unter denen man leidet"

Dresden - In einem Jahr wählen die Dresdner den neuen Stadtrat. Parteien, Fraktionen und ihre Persönlichkeiten bringen sich bereits jetzt in Stellung. Wo setzen sie ihre Akzente, was planen und was fordern sie? TAG24 bittet wichtige politische Köpfe der Stadt zum Gespräch. Diesmal im "Montags-Interview": Max Aschenbach (38) von der Satire-Partei "Die PARTEI" und Fraktions-Vize der Dissidenten-Fraktion.

Max Aschenbach (38, Die PARTEI) im Gespräch mit TAG24-Redakteur Jakob Anders (40).
Max Aschenbach (38, Die PARTEI) im Gespräch mit TAG24-Redakteur Jakob Anders (40).  © Steffen Füssel

TAG24: Herr Aschenbach, Sie sind diplomierter Bildhauer und seit 2019 Stadtrat für Die PARTEI im Rathaus. Woher kommt der Impuls aus der Kunst in die Politik zu gehen?

Max Aschenbach: Verzweiflung und Notwehr.

TAG24: Ist es besser geworden?

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Aschenbach: Nein, aber wenigstens kann man die Arschlöcher ärgern, unter denen man leidet.

TAG24: In einem Jahr sind Kommunalwahlen. Im März dieses Jahres sagten Sie, dass die Kompromisse innerhalb der Dissidenten-Fraktion nicht nur Spaß bedeuten würden. Geht es gemeinsam weiter?

Aschenbach: Ich bin stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Dissidenten, glaube ich, kann aber natürlich nur aus meiner Perspektive antworten.

TAG24: Wie ist die Fraktion strukturiert?

Aschenbach: Wir sind vier Männer, die - so gut es geht - ihr Zeug gemeinsam machen. Beim Wahlkampf gehen mein Lieblingspirat Dr. MSW, die Opis und ich unsere eigenen Wege.

In dieser Rolle sieht sich Dresdner PARTEI-Politiker Max Aschenbach

Max Aschenbach von der Satire-Partei "Die PARTEI" sitzt für die vierköpfige Fraktion der Dissidenten im Stadtrat.
Max Aschenbach von der Satire-Partei "Die PARTEI" sitzt für die vierköpfige Fraktion der Dissidenten im Stadtrat.  © Steffen Füssel

TAG24: Ihr Anspruch für die Arbeit als Stadtrat war, Stress zu machen und für Ärger zu sorgen. Hat sich daran etwas geändert?

Aschenbach: Ich versuche, diesen Wahnsinn im Stadtrat festzuhalten, sehe mich zunächst in einer beobachtenden Rolle und versuche, den Quatsch zu kommunizieren und zu kommentieren. Der Rest ist die Borniertheit der anderen.

TAG24: Im März vergangenen Jahres gab es so einen gemeinsamen Konsens aller Fraktionen: Von Links bis Rechts wurde der russische Angriffskrieg aufs Schärfste verurteilt. Sie enthielten sich.

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Aschenbach: Als der Krieg losging, waren alle sehr schnell dabei, zu den Waffen zu rufen. Dann vom Frieden schwafeln, war mir zuwider. Krieg verurteile ich.

TAG24: Gibt es für Sie überhaupt einen kleinsten gemeinsamen Nenner mit den anderen Fraktionen?

Aschenbach: Den gibt es natürlich immer, zum Beispiel nicht an den Haaren ziehen ... Es gibt im Stadtrat keine linke Opposition. Es gibt keine grundsätzlichen, kontroversen Ansichten. Alle schwimmen im gleichen Brei aus allgemeinem, neoliberalen Konsens, hirnloser Technokratie und dümmlichem Polit-Gebalge.

Haushaltssperre in Dresden: "Das Erste, was wegfällt, ist Kultur"

Die Cityherberge ist Dresdens größtes Flüchtlingsheim. Aschenbach sieht die Politik in der Pflicht.
Die Cityherberge ist Dresdens größtes Flüchtlingsheim. Aschenbach sieht die Politik in der Pflicht.  © Steffen Füssel

TAG24: Ist das nicht ein Wunschkonzert für Sie? Die anderen machen Politik, Sie schauen zu und formulieren Brandthesen und kontroverse Argumente?

Aschenbach: Das ist schon eine sehr privilegierte Position. Zu beobachten, wie Politik tatsächlich funktioniert und was als "Demokratie" bezeichnet wird. Außerdem ist es wohl der sicherste Job meines Lebens. Fünf Jahre kann mich niemand feuern und ich erhalte 2200 Euro brutto. Für einen Künstler ist das viel Geld.

TAG24: Die Haushaltssperre könnte sich auf die kulturelle Förderung auswirken.

Aschenbach: Das ist ein Instrument, das vom Oberbürgermeister sehr lax eingesetzt wird. Ein organisierter Stadtrat, der nicht gegen-, sondern miteinander vorgeht, könnte etwas ändern. Da sehe ich keine Bemühungen. Was ich aber sagen kann: Dresden hat Kohle! Um den Sport muss man sich weniger Sorgen machen. Das Erste, was wegfällt, ist Kultur.

TAG24: Was denken Sie, wenn Sie hören, dass in der Cityherberge 280 alleinreisende Männer untergebracht werden? Sind Geflüchtete in Dresden eine Bereicherung oder eine Last?

Aschenbach: Das sind halt Leute. Und die können einem zur Last fallen oder bereichern. Kommt immer drauf an, was das für Leute sind. Ich halte das Konzept mit Nationen und Grenzen nicht für sinnvoll. Menschen fliehen nicht ohne Grund. Und wir sind sehr reich geworden aufgrund von Ausbeutung der Armen.

Max Aschenbach hält Stadtrat für "Kasperle-Theater, das simuliert, es gäbe Mitspracherecht und Beteiligung"

Max Aschenbach hält OB Dirk Hilbert (51, FDP) für "ein dickes Problem".
Max Aschenbach hält OB Dirk Hilbert (51, FDP) für "ein dickes Problem".  © Norbert Neumann

TAG24: Was nervt aktuell in der Dresdner Politik?

Aschenbach: Ich halte die Politik im Stadtrat für ein Kasperle-Theater, das simuliert, es gäbe Mitspracherecht und Beteiligung. Der Stadtrat ist dabei aufgrund seiner Unfähigkeit völlig machtlos. Auf dieser Rathausbühne werden Schaukämpfe ausgetragen, die nicht lustig sind, weil Qualität fehlt. Und das nervt wirklich. Kommen Sie in den Stadtrat und schauen Sie sich das mal an!

TAG24: Was wird dort eigentlich verhandelt?

Aschenbach: Radwege, Parkplätze, Ausländer. Kulturpolitik wird nicht verhandelt. Ein dickes Problem ist OB Dirk Hilbert. Er hat zu viel Macht und macht damit, was er will. Das ist aber auch ein Resultat des unfähigen Stadtrats.

TAG24: Dabei ist der Stadtrat der eigentliche Chef des Oberbürgermeisters.

Aschenbach: Ja! Es gibt eine gemeinsame Kultur aus Verwaltung, Oberbürgermeister und Stadträten, bei der jeder jedem misstraut. Keiner ist in der Lage, ordentlich zu kommunizieren. Das ist ein Elend. Auf höheren politischen Ebenen beobachte ich das auch, aber die können meistens zwei Fremdwörter mehr.

TAG24: Stichwort Mobilitätswende.

Aschenbach: Ist auf jeden Fall die bessere Idee. Nicht nur aufgrund der klimatischen Probleme, sondern auch weil Menschen in der Stadt mehr Platz brauchen.

TAG24: Sie hatten eine Anzeige am Hals wegen des öffentlichen Konsums von Marihuana. Wo war das gleich noch?

Aschenbach: Stauffenbergallee, auf dem Gelände der Bereitschaftspolizei, bei der Fatsche so eines Bonzenvereins.

TAG24: Demnach sind Sie für die Legalisierung?

Aschenbach: Ich fordere sie! Alles andere wäre Wahnsinn.

Zur Person

Der gebürtige Erfurter lebt seit 2006 in Dresden.
Der gebürtige Erfurter lebt seit 2006 in Dresden.  © Steffen Füssel

Max Aschenbach wurde 1985 in Erfurt geboren und kam 2006 nach Dresden. Hier studierte er bis 2011 Bildende Künste und schloss mit Diplom ab.

Aschenbach lebt in der Neustadt, ist unverheiratet und hat Kinder.

2019 wurde er für Die PARTEI als Stadtrat gewählt. Außerdem ist er stellvertretender Vorsitzender der Dissidenten-Fraktion.

Titelfoto: Montage: Steffen Füssel (2)

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