Putins Krieg erreicht das Dresdner Rathaus: Böse Liebesgrüße aus Moskau und St. Petersburg

Dresden - Post von einer Atommacht erhält man auch nicht alle Tage. Und das schon gar nicht als Kreisverband einer Partei. Der Dresdner FDP ist aber ein solches Schreiben jedoch kürzlich (über den Umweg des Rathauses) ins Haus geflattert. Abgeschickt hat es das russische Generalkonsulat in Leipzig.

Für den russischen Generalkonsul ist ein Abbau des Sowjetischen Ehrenmals auf dem Olbrichtplatz "undenkbar". Holger Hase (45, FDP) will den Brief des russischen Generalkonsuls nicht unbeantwortet lassen.
Für den russischen Generalkonsul ist ein Abbau des Sowjetischen Ehrenmals auf dem Olbrichtplatz "undenkbar". Holger Hase (45, FDP) will den Brief des russischen Generalkonsuls nicht unbeantwortet lassen.  © Montage: Ove Landgraf, Steffen Füssel

Der Anlass: Die Forderung des Dresdners Stefan Scharf (36, FDP), das Sowjetische Ehrenmal auf dem Olbrichtplatz abzubauen, da es seiner Meinung nach unter anderem wegen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine seinen ehrwürdigen Charakter verloren habe.

Das sieht Generalkonsul Andrey Dronov naturgemäß anders. "Diese historisch verantwortungslose Initiative ist in vielerlei Hinsicht besorgniserregend", schreibt er. Denn das Verschwindenlassen solcher Denkmäler würde "ausradieren, was uns, Russen und Deutsche ausmacht". Schließlich sei das Bekenntnis zur Geschichte "identitätsstiftend".

Dass in der Roten Armee nicht nur Russen, sondern auch Ukrainer und andere Völker der Sowjetunion gekämpft haben, lässt Dronov unerwähnt.

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Besonders zynisch: Dronov schreibt, dass solche Erinnerungsstätten "Mahnung und Verpflichtung" seien, "den Weg der Aussöhnung zu gehen und entschieden gegen jegliche Manifestationen von Neonazismus aufzustehen".

Dabei finanziert Russland rechtsextreme politische Kräfte im Westen und lässt Neonazis für sich in der Ukraine morden.

OB Hilbert bekam Post aus St. Petersburg

St. Petersburgs Gouverneur Alexander Beglow (66) teilt die Haltung seines Präsidenten zur Ukraine.
St. Petersburgs Gouverneur Alexander Beglow (66) teilt die Haltung seines Präsidenten zur Ukraine.  © IMAGO/ZUMA Wire/Maksim Konstantinov

In der FDP berät man nun, wie man auf das Schreiben reagieren soll. "Es ist interessant, wie versucht wird, auf die politische Willensbildung in einem anderen Land Druck aufzubauen", sagt der Kreisvorsitzende und Dresdner Stadtrat Holger Hase (45).

In einer pluralistischen Gesellschaft gehörten unterschiedliche Meinungen jedoch dazu. Deshalb werde man dem Generalkonsul eine "höfliche, aber bestimmte" Rückantwort senden, so Hase.

Übrigens hat nicht nur die FDP Post aus Russland bekommen, sondern auch das Rathaus. Oberbürgermeister Dirk Hilbert (50, FDP), der sich mit zwei Schreiben Ende Februar und Mitte März an Dresdens Partnerstadt St. Petersburg gewandt hat und den dortigen Gouverneur Alexander Beglow (66) dazu aufrief, "sich gemeinsam mit allen Petersburgern gegen den Krieg in der Ukraine auszusprechen", erhielt mittlerweile eine Antwort.

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Laut Stadtsprecher Kai Schulz wurde darin "zwar ausgeführt, dass man die Sorge des OBs um die aktuelle geopolitische Situation durchaus verstehe, aber gleichzeitig wurden zahlreiche Argumente aufgeführt, die auch von Präsident Putin immer wieder benannt wurden".

Aus St. Petersburg kommen also die gleichen Lügen zum russischen Angriffskrieg wie aus dem Kreml. In dem Brief wurde Hilbert außerdem mitgeteilt, "dass die Bürger von St. Petersburg ihren Präsidenten unterstützen".

Titelfoto: Montage: Ove Landgraf, Steffen Füssel

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