Zugbegleiter berichtet aus seinem Alltag: Übergriffe, Beleidigungen, Bedrohungen

Von Mona Wenisch

Frankfurt am Main - Zugbegleiter Maurice Lucke hört im Job immer auf sein Bauchgefühl.

Maurice Lucke (28) ist Zugbegleiter bei DB Regio Mitte in der Einsatzstelle in Frankfurt.  © Helmut Fricke/dpa

Das "betrügt mich eigentlich nie", sagt er. "Und wenn da schon jemand ist, der vielleicht von Anfang an einen etwas lauteren Ton hat, dann versuche ich immer, so gut das geht alles zu umgehen."

Der 28-Jährige arbeitet als sogenannter Kundenbetreuer im Nahverkehr bei der DB Regio Mitte in der Einsatzstelle in Frankfurt. Er kontrolliert Fahrgäste, gibt Tipps zum Umsteigen, macht Durchsagen. Alltag für Lucke. Doch vor einigen Tagen endete dieser Alltag für einen Kollegen tödlich.

Serkan Çalar war auch Zugbegleiter. Der 36-Jährige wurde Anfang Februar in der Nähe von Landstuhl (Rheinland-Pfalz) von einem Fahrgast bei einer Fahrkartenkontrolle durch Faustschläge so schwer verletzt, dass er später starb.

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Lucke kannte Çalar nicht. Doch die Gefahren des Jobs sind auch ihm ständig bewusst. "Ich hatte jetzt noch keine tätlichen Übergriffe, sondern immer nur verbale Übergriffe, Beleidigungen, manchmal auch Bedrohungen", berichtet er.

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Schockstarre und Herzrasen bei einer Kontrolle

Als er die Personalien eines Schwarzfahrers aufgenommen hatte, wurde er von dem Mann bedroht.  © Helmut Fricke/dpa

"Mir macht das Bahnfahren Spaß, mir macht der Umgang mit Menschen Spaß", sagt der 28-Jährige. "Ich finde das immer sehr interessant. Manchmal höre ich mir auch Geschichten an von den Leuten, wo die so hinfahren." Vor zwei Jahren kam er als Quereinsteiger zu seinem neuen Beruf.

An eine Situation erinnert er sich aber noch besonders gut. Auf einer Fahrt nach Mannheim weckte er einen Gast, der kein Zugticket hatte.

Als er dessen Daten aufgenommen habe, sei der Mann aufgestanden, habe seine Jacke ausgezogen und angefangen, seine Finger zu knacken. Da sei Lucke klar geworden, wenn er ihn aufschreiben würde, "würde er mir vielleicht die Nase brechen".

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Er habe das deshalb abgebrochen. "Weil ich auch Angst bekommen habe", sagt Lucke. Er habe dem Gast gesagt, dass sein Drucker nicht funktioniere und dass heute sein Glückstag sei.

"Ich bin dann einen Wagen weitergegangen, hatte natürlich Herzrasen und ich konnte in dem Moment auch irgendwie nichts mehr machen", erinnert er sich. "Ich konnte den Lokführer auch darüber nicht informieren. Ich konnte keine Anschlüsse mehr melden, weil ich so in Schockstarre war, weil ich wirklich Angst hatte, dass mir gleich etwas passiert wäre."

Hilft eine Bodycam?

Mit einer Bodycam fühle er sich sicherer, sagt Zugbegleiter Lucke. Eingeschaltet habe er sie bislang aber noch nicht.  © Deutsche Bahn/Volker Emersleben/dpa

Lucke kann seit Mai 2025 eine Bodycam tragen. Dafür hat er eine Schulung gemacht und entscheidet nun selbst, wann er sie mitnimmt - und auch, wann er sie anschaltet. Denn das muss er den Fahrgästen immer sagen.

"Es wird dann für 72 Stunden gespeichert. Das kann auch nur von der Bundespolizei ausgelesen werden, ohne Tonaufnahme", sagt er.

Die Bodycam gebe ihm ein Sicherheitsgefühl, sagt er. Angeschaltet hat er sie bisher aber nicht. "Aber es gibt natürlich auch nicht die hundertprozentige Sicherheit."

Wenn ein Fahrgast komplett austicken würde, würde er das auch tun, wenn Lucke seine Bodycam einschalten würde.

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