Sie schmuggelten 4,6 Tonnen Kokain: 11 Urteile gefallen

Von Bernhard Sprengel

Hamburg - In einem Prozess um den Schmuggel von 4,6 Tonnen Kokain hat das Landgericht Hamburg zehn Angeklagte zu langen Haftstrafen verurteilt. Ein elfter Angeklagter wurde freigesprochen.

Seit Mitte 2025 mussten sich elf Angeklagte wegen Drogenschmuggels vor dem Hamburger Landgericht verantworten.
Seit Mitte 2025 mussten sich elf Angeklagte wegen Drogenschmuggels vor dem Hamburger Landgericht verantworten.  © Marcus Brandt/dpa

Die höchste Strafe erhielt ein 45-Jähriger, der nach Überzeugung der Strafkammer die beiden Container mit jeweils mehr als zwei Tonnen Kokain als Lastwagenfahrer aus einem Containerterminal im Hafen holte.

Als Einziger wurde er wegen Drogenbesitzes schuldig gesprochen, und nicht nur wegen Beihilfe zur Einfuhr und zum Handeltreiben mit Betäubungsmitteln. Er bekam zwölf Jahre Haft.

Die hohen Strafen für die Helfer der nicht vor Gericht stehenden Hintermänner erklärte der Vorsitzende Richter Thorsten Schmidt so: "Die Menge ist enorm."

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Im ersten Fall ging es um 2520 Kilo Kokain, die Mitte Mai 2024 in einem Container aus Ecuador nach Hamburg gekommen sein sollen.

Der Verbleib des Rauschgifts konnte nicht aufgeklärt werden. "Wir gehen davon aus, dass die Drogen in Europa in Verkehr gekommen sind", sagte der Richter. Das Kokain in diesem Container habe die juristisch als gering zu bewertenden Menge um das 400.000-fache überschritten.

Ein 61-Jähriger war die "Schlüsselfigur"

Die Polizei konnte im September 2024 2,1 Tonnen Kokain im Hamburger Hafen sicherstellen.
Die Polizei konnte im September 2024 2,1 Tonnen Kokain im Hamburger Hafen sicherstellen.  © Marcus Brandt/dpa

Im zweiten Fall enthielt der Container mehr als 2100 Kilo Kokain, der Ende September 2024 aus dem Terminal in Altenwerder geholt und in eine Lagerhalle im Stadtteil Rothenburgsort gebracht wurde. Der Drogeninhalt überschreite die juristische geringe Menge um das 370.000-fache, sagte Schmidt.

Als "Schlüsselfigur" bezeichnete der Richter einen 61 Jahre alten Angeklagten. "Ohne ihn hätte die Tat nicht funktioniert", sagte Schmidt mit Blick auf den ersten Fall.

Er habe gewusst, dass der vermeintliche Bananencontainer eine große Menge Kokain enthalte, und habe die Abholung aus dem Containerterminal Altenwerder organisiert. Der Deutsche bekam eine Strafe von elf Jahren.

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Bei der zweiten Drogenlieferung wurden die Angeklagten von der Polizei überwacht. Als der Container in einer Lagerhalle in Hamburg-Rothenburgsort entladen wurde, griff das Spezialeinsatzkommando (SEK) zu. Das dabei entdeckte Kokain habe einen Straßenverkaufswert von rund 100 Millionen Euro gehabt, hatte Innensenator Andy Grote (57, SPD) anschließend mitgeteilt.

Die beim Abladen festgenommenen Angeklagten im Alter zwischen 22 und 35 Jahren wurden zu Strafen zwischen sieben und siebeneinhalb Jahren verurteilt. Zwei von ihnen standen zur Tatzeit unter Bewährung. Strafmildernd rechnete das Gericht ihnen ihre Geständnisse und schlechte Haftbedingungen an.

Bei einem von ihnen fand die Polizei knapp 40.000 Euro in bar, bei vier weiteren Angeklagten insgesamt 10.000 Euro. Das Gericht zog das Geld ein, ebenso wie die Handys der Männer und einen bei der Tat eingesetzten Störsender.

Bei einem der Angeklagten entschuldigte sich das Gericht, weil es nicht mit der gebotenen Eile Beweismittel sichtete, die seine Unschuld belegten. Die Kammer sprach den 23-Jährigen frei und gewährte ihm eine Entschädigung für die achteinhalb Monate, die er in Untersuchungshaft saß. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Titelfoto: Marcus Brandt/dpa

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