Fast 100 Jahre alte Liebesbotschaften: Neue Tour zeigt verborgene Seiten des Planetariums

Hamburg - Ab dem heutigen Dienstag (2. Juni) bietet das Planetarium Hamburg erstmals Hausführungen an und gewährt damit Einblicke hinter die Kulissen, die Besuchern bislang verborgen geblieben sind. TAG24 war bei einer der ersten (offiziellen) Touren durch das geschichtsträchtige Gebäude dabei, das zwischen 1912 und 1916 gemeinsam mit dem Stadtpark ursprünglich als Wasserturm gebaut wurde.

Haustechniker Eckhard Schlobohm (64) auf der Aussichtsplattform des früheren Wasserturms.  © Madita Eggers/TAG24

Los geht es auf der Aussichtsplattform, denn laut Haustechniker Eckhard Schlobohm (64), der die Führungen ab sofort einmal in der Woche anbietet, lässt sich das Gebäude mit seiner 100-jährigen Geschichte "von oben nach unten" am besten erklären.

Die runde, einmal um den Turm herumführende Terrasse bietet ein 360-Grad-Panorama, von der man bei gutem Wetter nicht nur die Elphi oder den Hafen sieht, sondern sogar 30 Kilometer entfernte Strommasten.

Als Wasserturm genutzt wird das Gebäude schon seit 1924 nicht mehr. Die Stadt Hamburg stellte ihre Wasserversorgung nur wenige Jahre nach dem Bau wieder um und legte alle Wassertürme der Stadt still.

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Was blieb: ein riesiger Wassertank mehr als 20 Meter über dem Boden, der bis zu drei Millionen Liter Wasser fasste und heute zu den Highlights der Tour gehört. Bekannt ist das markante, 64,5 Meter hohe Backsteingebäude aber vor allem wegen des heute dort beheimateten Planetariums, das zu den modernsten und meistbesuchten Planetarien Europas zählt.

"1925 hat sich Hamburg ein Planetarium bei Zeiss in Jena bestellt. Das war eigentlich schon 1926 fertig zum Einbau, dann haben sie aber noch drei Jahre gebraucht, bis sie auf die Idee kamen, es hier einzubauen", erzählt Schlobohm. "Die erste öffentliche Vorstellung war hier am 16. Mai 1930 um 16 Uhr."

Zu Schlobohms Highlights der Tour gehören "alte Graffiti", wie er sie nennt – Kritzeleien an den Wänden aus der Zeit, als der Turm noch öffentlich zugänglich war. Teils noch in altdeutscher Schrift finden sich dort Liebesbekundungen von vor fast 100 Jahren.

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Auch die "alten Graffiti" gehören zu den exklusiven Einblicken der Tour. "Ich will nicht, dass diese übermalt werden", betont Eckhard Schlobohm.  © Madita Eggers/TAG24
Früher Wasserturm, heute Planetarium: Das historische Gebäude feiert in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag.  © Madita Eggers/TAG24
Der riesige Wassertank befindet sich in der Turmkuppel und kann ab sofort während der Hausführungen besichtigt werden.  © Madita Eggers/TAG24

Planetarium Hamburg: So entstand die Idee der Hausführungen

Haustechniker Eckhard Schlobohm (64) arbeitet seit 2008 im Planetarium Hamburg.  © Madita Eggers/TAG24

Schlobohm arbeitet seit 2008 im Planetarium und kümmert sich eigentlich um die Haustechnik, etwa die Klimaanlagen.

In der Vergangenheit sei es jedoch oft vorgekommen, dass montags, wenn das Planetarium eigentlich geschlossen ist, kleine Menschengruppen vor der Tür standen und gerne einmal das imposante Gebäude besichtigen wollten.

"Deren Flieger ging dann meist dienstags, und da dies jetzt ja nicht gerade ein Touristen-Hotspot ist, habe ich gesagt: 'Wenn Sie schon mal hier sind, kommen Sie rein'", so der 64-Jährige gegenüber TAG24. Geboren war die Idee der Hausführungen.

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Dass das Angebot trotz der großen Nachfrage erst jetzt realisiert wird, hat laut Dr. Mariana Wagner vom Planetarium Hamburg drei Gründe: "Zum einen die Personaldecke, dann versicherungstechnische Gründe und außerdem, weil wir keine Barrierefreiheit anbieten können."

Anders als der barrierefrei zugängliche Sternensaal des Planetariums – der nicht Teil der Tour ist, über dessen Technik man aber dennoch einiges erfährt – kann die Turmkuppel nur über Treppen bestiegen werden.

Teilweise wird es dabei auch sehr eng, gerade beim Wassertank. Deshalb ist die Anzahl der Teilnehmer pro Führung auf 20 Personen beschränkt. Hinzu kommt, dass Bereiche wie der Kesselraum unter dem Wassertank bereits zum Hochhausbereich gehören und dort besondere Vorgaben gelten.

Die Hausführungen dauern rund eine Stunde. Tickets gibt es ab 7,70 Euro auf der Webseite des Planetariums. Die ersten Führungen sind bereits ausverkauft.

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