Entsetzen nach Arbeitsunfall mit drei Toten in Lederfabrik, jetzt ermittelt die Kriminalpolizei

❤️
😂
😱
🔥
😥
👏

Von Christiane Warnecke

Runkel - Nach dem tödlichen Arbeitsunfall in einer Lederfabrik und Pelzgerberei im hessischen Runkel übernimmt die Kriminalpolizei die Ermittlungen.

Drei Menschen starben bei dem Arbeitsunfall in einer Lederfabrik im hessischen Runkel. Zwei weitere Arbeiter schweben in Lebensgefahr.
Drei Menschen starben bei dem Arbeitsunfall in einer Lederfabrik im hessischen Runkel. Zwei weitere Arbeiter schweben in Lebensgefahr.  © Sascha Ditscher/dpa

Wie ein Sprecher der Polizei sagte, gehe es darum, die Todesursache der Opfer zu klären. Im Zentrum der Ermittlungen stünden die Chemikalien in einer Grube, die nun untersucht werden müssten. 

Bei dem Unglück in dem 9500-Einwohner-Städtchen im Kreis Limburg-Weilburg sind am Donnerstagnachmittag drei Arbeiter ums Leben gekommen.

Zwei weitere Männer wurden schwer verletzt mit Rettungshubschraubern in Krankenhäuser gebracht, teilte das Landesinnenministerium mit. Die Verletzten schweben in Lebensgefahr. 

13-Jähriger in Linienbus unsittlich berührt: Polizei fahndet nach Grapscher
Hessen 13-Jähriger in Linienbus unsittlich berührt: Polizei fahndet nach Grapscher

Die Männer sollen nacheinander in die Grube gestiegen und dort verunglückt sein. 

Nach Angaben von Hessens Innenminister Roman Poseck (56, CDU) gehen die Behörden davon aus, dass es in der Grube der Gerberei zu einer Kohlenmonoxidbildung gekommen sei, die zum Tod der Arbeiter geführt habe.

Spezialisten untersuchen Chemikalien

In Schutzanzügen wird vor Ort ermittelt. 45 bis 50 Einsatzkräfte wurden am Abend vorsorglich dekontaminiert und von einem Arzt untersucht.
In Schutzanzügen wird vor Ort ermittelt. 45 bis 50 Einsatzkräfte wurden am Abend vorsorglich dekontaminiert und von einem Arzt untersucht.  © Sascha Ditscher/dpa

Die Toten und Verletzten wurden am späten Nachmittag aus einer Auffangklärgrube der Gerberei geborgen. Sie waren von einem Mitarbeiter der Firma aufgefunden worden.

Mit welchen Chemikalien sie genau in Berührung gekommen seien, müsse noch ermittelt werden, berichtete Kreisbrandmeister René Schultheis. Dazu würden nun nach Angaben der Polizei Spezialisten hinzugezogen.

Da in dem betroffenen Betrieb mit verschiedenen Chemikalien gearbeitet werde, waren die Einsatzkräfte, die unmittelbar mit den verletzten Personen in Kontakt standen, am Abend dekontaminiert und vorsorglich einem Arzt vorgestellt worden. Davon waren etwa 45 bis 50 Einsatzkräfte betroffen.

Südhessen: Toter nach Großbrand in Flüchtlingsunterkunft entdeckt
Hessen Südhessen: Toter nach Großbrand in Flüchtlingsunterkunft entdeckt

Die einzige gute Nachricht des Abends: Es sind keine Gefahrstoffe über das Firmengelände hinaus ausgetreten, es besteht keine Gefahr für die Bevölkerung, wie Schultheis versichert. 

Insgesamt waren rund 150 Rettungskräfte von Polizei, Feuerwehr und Gefahrenabwehr zeitweise im Einsatz.

Rund 150 Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und Gefahrenabwehr waren vor Ort
Rund 150 Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und Gefahrenabwehr waren vor Ort  © Sascha Ditscher/dpa

Politiker reagieren mit Entsetzen und Anteilnahme auf tödlichen Arbeitsunfall

Hessens Innenminister Roman Poseck (56, CDU) war nach am Abend in Runkel eingetroffen und zeigte sich sehr betroffen.
Hessens Innenminister Roman Poseck (56, CDU) war nach am Abend in Runkel eingetroffen und zeigte sich sehr betroffen.  © Sascha Ditscher/dpa

Innenminister Poseck zeigt sich vor Ort sehr betroffen: "Ich habe in meiner Amtszeit noch kein Ereignis mit drei Toten erlebt, das macht diese Situation ganz besonders traurig". Das Ereignis habe das Land Hessen erschüttert.

Auch der hessische Ministerpräsident Boris Rhein (54, CDU) sagte am Abend dem Hessischen Rundfunk, er sei zutiefst erschüttert. "Ich bin in Gedanken bei den Angehörigen und wünsche den Verletzten viel Kraft und baldige Besserung." 

Runkels Bürgermeisterin Antje Hachmann zeigte sich entsetzt über das Ausmaß. "Wir sind eine nicht so große Stadt und man kennt sich hier", sagte sie.

Bereits auf der Fahrt zum Unglücksort sei ihr durch den Kopf gegangen, wie es wohl den Angehörigen gehe. Sie habe mit einigen gesprochen - ebenso wie Notfallseelsorger vor Ort. 

Das Bild der Lage sei bei ihrer Ankunft an der Lederfabrik schlimmer als erwartet gewesen. "Ich musste einmal durchatmen, bevor ich aus dem Auto ausgestiegen bin. Ich bin auch nur ein Mensch."

Titelfoto: Sascha Ditscher/dpa

Mehr zum Thema Hessen: