Entsetzen nach Arbeitsunfall mit drei Toten in Lederfabrik, jetzt ermittelt die Kriminalpolizei
Von Christiane Warnecke
Runkel - Nach dem tödlichen Arbeitsunfall in einer Lederfabrik und Pelzgerberei im hessischen Runkel übernimmt die Kriminalpolizei die Ermittlungen.
Wie ein Sprecher der Polizei sagte, gehe es darum, die Todesursache der Opfer zu klären. Im Zentrum der Ermittlungen stünden die Chemikalien in einer Grube, die nun untersucht werden müssten.
Bei dem Unglück in dem 9500-Einwohner-Städtchen im Kreis Limburg-Weilburg sind am Donnerstagnachmittag drei Arbeiter ums Leben gekommen.
Zwei weitere Männer wurden schwer verletzt mit Rettungshubschraubern in Krankenhäuser gebracht, teilte das Landesinnenministerium mit. Die Verletzten schweben in Lebensgefahr.
Die Männer sollen nacheinander in die Grube gestiegen und dort verunglückt sein.
Nach Angaben von Hessens Innenminister Roman Poseck (56, CDU) gehen die Behörden davon aus, dass es in der Grube der Gerberei zu einer Kohlenmonoxidbildung gekommen sei, die zum Tod der Arbeiter geführt habe.
Spezialisten untersuchen Chemikalien
Die Toten und Verletzten wurden am späten Nachmittag aus einer Auffangklärgrube der Gerberei geborgen. Sie waren von einem Mitarbeiter der Firma aufgefunden worden.
Mit welchen Chemikalien sie genau in Berührung gekommen seien, müsse noch ermittelt werden, berichtete Kreisbrandmeister René Schultheis. Dazu würden nun nach Angaben der Polizei Spezialisten hinzugezogen.
Da in dem betroffenen Betrieb mit verschiedenen Chemikalien gearbeitet werde, waren die Einsatzkräfte, die unmittelbar mit den verletzten Personen in Kontakt standen, am Abend dekontaminiert und vorsorglich einem Arzt vorgestellt worden. Davon waren etwa 45 bis 50 Einsatzkräfte betroffen.
Die einzige gute Nachricht des Abends: Es sind keine Gefahrstoffe über das Firmengelände hinaus ausgetreten, es besteht keine Gefahr für die Bevölkerung, wie Schultheis versichert.
Insgesamt waren rund 150 Rettungskräfte von Polizei, Feuerwehr und Gefahrenabwehr zeitweise im Einsatz.
Politiker reagieren mit Entsetzen und Anteilnahme auf tödlichen Arbeitsunfall
Innenminister Poseck zeigt sich vor Ort sehr betroffen: "Ich habe in meiner Amtszeit noch kein Ereignis mit drei Toten erlebt, das macht diese Situation ganz besonders traurig". Das Ereignis habe das Land Hessen erschüttert.
Auch der hessische Ministerpräsident Boris Rhein (54, CDU) sagte am Abend dem Hessischen Rundfunk, er sei zutiefst erschüttert. "Ich bin in Gedanken bei den Angehörigen und wünsche den Verletzten viel Kraft und baldige Besserung."
Runkels Bürgermeisterin Antje Hachmann zeigte sich entsetzt über das Ausmaß. "Wir sind eine nicht so große Stadt und man kennt sich hier", sagte sie.
Bereits auf der Fahrt zum Unglücksort sei ihr durch den Kopf gegangen, wie es wohl den Angehörigen gehe. Sie habe mit einigen gesprochen - ebenso wie Notfallseelsorger vor Ort.
Das Bild der Lage sei bei ihrer Ankunft an der Lederfabrik schlimmer als erwartet gewesen. "Ich musste einmal durchatmen, bevor ich aus dem Auto ausgestiegen bin. Ich bin auch nur ein Mensch."
Titelfoto: Sascha Ditscher/dpa

