Heute vor 350 Jahren, am 16. Juli 1676, endete ein Prozess, der Frankreich schockierte und zum Auftakt eines der größten Justizskandale des 17. Jahrhunderts wurde. Die adlige Marie-Madeleine de Brinvilliers hatte ihren Vater sowie ihre Brüder vergiftet - und wurde zu einer der bekanntesten Giftmörderinnen der Kriminalgeschichte.
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Brinvilliers stammte aus einer angesehenen, wohlhabenden Adelsfamilie. Trotzdem sie verheiratet war, führte sie eine Beziehung mit dem Ritter Godin de Sainte-Croix, der ein großes Interesse für Chemie besaß.
Nach den Ergebnissen der damaligen Ermittlungen beschaffte sich das Paar diverse Gifte, die es bei den späteren Taten einsetzte. So soll Brinvilliers ihrem Vater über mehrere Monate kleine Dosen davon im Essen verabreicht haben. Er starb 1666.
Ihre beiden Brüder schieden schließlich wenige Jahre später an den Folgen einer Arsenvergiftung aus dem Leben. Einzig ihre Schwester überlebte, zumindest vorerst, einen Mordversuch.
Als Motiv für die Morde nennen Historiker und Historikerinnen vor allem finanzielle Interessen bzw. Habgier sowie Erbstreitigkeiten.
Flucht, Prozess und Hinrichtung
Erst nach dem Tod von Sainte-Croix im Jahr 1672 fanden Behörden in seinem Nachlass belastende Unterlagen, darunter Briefe und Giftproben. Diese führten zu umfangreichen Ermittlungen gegen Brinvilliers.
Nach Bekanntwerden der Vorwürfe floh Brinvilliers zunächst ins Ausland. 1676 wurde sie schließlich in Lüttich (Belgien), wo sie in einem Kloster Schutz suchte, festgenommen, nach Paris überstellt und nach einem mehrmonatigen Gerichtsverfahren am 16. Juli 1676 zum Tode verurteilt.
Vor ihrer Hinrichtung wurde sie nach damaligem französischem Recht der sogenannten Wasserfolter unterzogen, um mögliche weitere Taten zu gestehen oder Komplizen preiszugeben.
Am 17. Juli 1676 wurde Marie Madeleine de Brinvilliers öffentlich enthauptet, ihr Leichnam anschließend auf dem Scheiterhaufen verbrannt.
Vom Giftmord zur Giftaffäre
Der Fall erregte großes öffentliches Aufsehen, verunsicherte die französische Gesellschaft und verstärkte das Misstrauen gegenüber heimlichen Vergiftungen am königlichen Hof.
Wenige Jahre später deckten die Behörden im Rahmen der sogenannten Giftaffäre (franz. Affaire des Poisons) ein weitreichendes Netzwerk mutmaßlicher Giftmischer, Wahrsagerinnen und Auftraggeber auf. Zahlreiche Angehörige des Adels, sogar aus dem Umfeld des Königs Ludwig XIV., gerieten unter Verdacht.
Die Ermittlungen führten zu etwa 360 Verhaftungen, die teilweise mit einem Todesurteil, aber auch mit Freisprüchen geendet haben.
Historikerinnen und Forscher weisen heute darauf hin, dass der Fall Brinvilliers und die spätere Giftaffäre häufig miteinander vermischt werden. Während ihre Verurteilung jedoch auf konkreten Beweisen beruhte, blieben viele Vorwürfe aus der späteren Affäre ungeklärt oder konnten nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden. Gerade diese Unterscheidung macht den Fall bis zum heutigen Tag zu einem der bedeutendsten Kriminalfälle der französischen Geschichte.