Heute vor 87 Jahren: Diese Hinrichtung schockte Frankreich - und beendete eine Ära
Heute vor 87 Jahren, am 17. Juni 1939, versammelten sich Tausende Schaulustige in Versailles - nur um zuzusehen, wie der deutsche Serienmörder Eugen Weidmann öffentlich hingerichtet wird. Die Szenen vor Ort sorgten für Empörung und führten noch im selben Jahr zu einer historischen Entscheidung.
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Öffentliche Hinrichtungen waren in Frankreich über Jahrhunderte üblich und sollten eine abschreckende Wirkung entfalten. Die Guillotine war seit der Französischen Revolution das zentrale Hinrichtungsinstrument.
Im 20. Jahrhundert geriet diese Praxis jedoch zunehmend in die Kritik, insbesondere wegen der großen Menschenmengen und der teils volksfestartigen Atmosphäre. So auch am 17. Juni 1939, als der verurteilte Eugen Weidmann hingerichtet werden sollte.
Die Exekution fand in den frühen Morgenstunden gegen 4.32 Uhr vor dem Gefängnis Saint-Pierre in Versailles statt. Eine ungewöhnlich große Anzahl von Schaulustigen hatte sich vor Ort versammelt. Zeitgenössische Berichte schildern chaotische Szenen, bei denen Zuschauer versuchten, möglichst nah an das Geschehen zu gelangen. Die Enthauptung erfolgte mit der Guillotine.
Trotz bestehender Verbote entstanden Fotografien und Filmaufnahmen. Die mediale Verbreitung machte die Hinrichtung weit über Frankreich hinaus bekannt. Noch heute findet man Videos davon im Internet.
Der Fall Eugen Weidmann
Eugen Weidmann wurde 1908 in Frankfurt am Main geboren und führte ein Leben, das früh von Betrug, Reisen und kriminellen Aktivitäten geprägt war, wofür er bereits hinter Gittern saß. In den 1930er-Jahren zog es ihn schließlich nach Frankreich, wo er reiche Touristen um ihr Hab und Gut bringen wollte. Dabei blieb es jedoch nicht.
1937 beging Weidmann gemeinsam mit Komplizen, die er im Gefängnis kennengelernt hatte, eine Reihe von Morden. Seine Opfer lernte er meist unter falschen Vorwänden kennen - etwa als vermeintlicher Geschäftsmann, Investor oder zukünftiger Arbeitgeber. Ziel der Taten waren in erster Linie Raubüberfälle, die jedoch regelmäßig tödlich endeten. Die Ermittlungen führten im Dezember 1937 schließlich zu seiner Festnahme.
Ende März 1939 wurde Eugen Weidmann wegen sechsfachen Mordes zum Tode durch die Guillotine verurteilt.
Das Ende öffentlicher Hinrichtungen in Frankreich
Die Reaktionen auf die Ereignisse in Versailles führten noch im selben Jahr zu einer politischen Entscheidung: Öffentliche Hinrichtungen wurden in Frankreich abgeschafft. Künftige Exekutionen fanden ausschließlich innerhalb von Gefängnissen statt.
Die Hinrichtung von Eugen Weidmann markiert damit einen historischen Einschnitt. Sie beendete eine jahrhundertealte Praxis - und leitete einen Wandel im Umgang mit der Todesstrafe ein, die in Frankreich erst 1981 endgültig abgeschafft wurde.
Titelfoto: Unbekannt, SRIJ de Paris/Hochgeladen und restauriert von Jebulon/Public domain/Wikimedia Commons
