Heute vor 180 Jahren: Was als gewagtes Projekt startete, wurde zum Rekordbauwerk
Heute vor 180 Jahren, am 31. Mai 1846, begann im Vogtland ein Bauprojekt, das bis heute als Meisterleistung des Ingenieurwesens gilt. Mit der Grundsteinlegung der Göltzschtalbrücke fiel der Startschuss für eine Konstruktion, die in ihrer Dimension und technischen Umsetzung neue Maßstäbe setzte.
Bauliche und technische Meisterwerke der vergangenen Jahre und vieles mehr gibt es hier: heute vor ... Jahren.
Im Jahr 1846 fiel der Startschuss für die Göltzschtalbrücke, die nicht nur ein Tal überspannen, sondern eine ganze Region verbinden sollte. Sie entstand im Zuge des rasanten Ausbaus des Eisenbahnnetzes im 19. Jahrhundert, das als treibende Kraft wirtschaftlicher Entwicklung galt.
Mitten im Vogtland (Sachsen) stellte allerdings das Göltzschtal Ingenieure vor eine gewaltige Aufgabe. Eine einfache Lösung gab es nicht. Gesucht wurde ein Bauwerk, das Züge sicher über die Tiefe führt.
Ziel war es, eine durchgehende Verbindung für den wachsenden Güter- und Personenverkehr zu schaffen. Die Antwort: eine riesige Ziegelsteinbrücke.
Vor dem Bau wurde ein Wettbewerb zur Findung eines geeigneten Entwurfs durchgeführt. Erst danach begann die praktische Umsetzung, eingeleitet durch die Grundsteinlegung am 31. Mai 1846 als symbolischen Akt.
Technische Bauleistung und Dimensionen
Von allen eingegangen Vorschlägen konnte keiner die Prüfungskommission rund um den Ingenieur Professor Johann Andreas Schubert überzeugen, sodass sich dieser selbst an einen Entwurf setzte und den Brückenbau mithilfe der damals neuen sogenannten Stützlinientheorie berechnete. Als Material sollte regional vorhandener und folglich kostengünstig zu beschaffender Ziegel (bzw. Ziegelstein) verwendet werden.
Was folgte, war ein Kraftakt: Über mehrere Jahre hinweg arbeiteten mehr als 1700 Menschen an der Brücke. Die Konstruktion erforderte präzise Planung in den Bereichen Statik, Fundament und Lastverteilung. So entstand Stein für Stein ein Bauwerk, das Dimensionen erreichte, die damals kaum vorstellbar waren. Am Ende wurden rund 26 Millionen Ziegelsteine verbaut.
Es dauerte bis 1851, bis die Brücke fertiggestellt war. Der erste Fahrplan trat am 16. Juli 1851 in Kraft.
Mit einer Höhe von 78 Metern galt die Göltzschtalbrücke bei ihrer Fertigstellung als höchste Eisenbahnbrücke der Welt und ist bis heute die größte Ziegelbrücke weltweit.
Auch heute, rund 180 Jahre nach der Grundsteinlegung, steht die Göltzschtalbrücke noch immer im Einsatz. Als größte Ziegelsteinbrücke der Welt ist sie nicht nur ein technisches Denkmal, sondern auch ein sichtbares Stück Geschichte - entstanden aus einer Idee, die einst als nahezu unmöglich galt.
Titelfoto: 123RF/kelifamily
