Heute vor 56 Jahren, am 14. Mai 1970, wurde Andreas Baader gewaltsam aus der Berliner Haftanstalt befreit. Die Aktion, geplant von einer Gruppe rund um Gudrun Ensslin und Ulrike Meinhof, markierte den Startschuss der linksextremen Terrororganisation Rote Armee Fraktion (RAF).
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In den späten 1960er-Jahren war die Bundesrepublik geprägt von politischen Spannungen: Studentenbewegungen, Anti-Vietnamkrieg-Proteste und die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit dominierten das gesellschaftliche Klima.
Viele junge Menschen radikalisierten sich und suchten nach Wegen, gegen den Staat vorzugehen. Einzelne sahen bewaffneten Widerstand als Mittel zur Durchsetzung politischer Ziele. So auch Andreas Baader.
Der damals 27-Jährige saß 1970 in der Berliner Justizvollzugsanstalt, weil er zuvor unter anderem wegen Kaufhausbrandstiftung verhaftet worden war. Baader galt als radikaler Aktivist der linken Szene und war bereits mehrfach polizeilich in Erscheinung getreten.
Die Befreiung Baaders wurde von Ulrike Meinhof, Gudrun Ensslin und weiteren Unterstützern geplant, um ihn aus der Haft zu holen und die organisatorische Basis für die spätere Rote Armee Fraktion (RAF) zu schaffen.
Die Aktion hatte das Ziel, Baader wieder in die Bewegung zurückzuführen und damit den bewaffneten Widerstand gegen den Staat zu stärken.
Die Befreiung Andreas Baaders
Am 14. Mai 1970 gelang Andreas Baader die Flucht aus der Justizvollzugsanstalt Berlin-Tegel. Die Befreiung wurde von mehreren Beteiligten sorgfältig geplant. Mit einer Kombination aus Überrumpelung und Ablenkung verschafften sie sich Zugang zur Haftanstalt.
Baader sollte wegen angeblicher Recherchearbeiten für ein gemeinsames Buch mit Ulrike Meinhof in das "Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen" ausgeführt werden.
Der Ablauf im Überblick
Am Tag der Befreiung wurde Baader in den Lesesaal des Instituts gebracht, wo er und Meinhof unter polizeilicher Aufsicht für einige Zeit Zeitschriften austauschten und sich Notizen machten. Schließlich betraten drei weitere Unterstützer das Gebäude. Ein vermummter Mann schoss auf einen Institutsangestellten und verletzte ihn dabei schwer.
Die Angreifer stürmten dann den Lesesaal, bedrohten die Justizbeamten mit Schusswaffen und setzten Tränengas ein. In dem Handgemenge wurde geschossen, wodurch es zu leichten Verletzungen bei den Beamten kam. Anschließend sprang die Gruppe um Baader durch ein Fenster und entkam zu einem bereitstehenden Fluchtauto. Sie wechselte später mehrfach das Fahrzeug, sodass die Polizei ihre Spur verlor.
Die Befreiung machte die Gruppe bundesweit bekannt und zeigte erstmals ihre Handlungsfähigkeit.
Die Geburt der RAF - und wie der Staat reagierte
Nach der Befreiungsaktion formierte sich die Gruppe um Baader, Meinhof und Ensslin zu einer organisierten Einheit. Ziel war der bewaffnete Widerstand gegen den Staat.
Die sogenannte Baader-Befreiung sorgte für Schlagzeilen und Diskussionen in ganz Deutschland. Polizei und Justiz reagierten mit verschärften Sicherheitsmaßnahmen. Die spätere Gründung der GSG 9 war eine direkte Konsequenz aus der wachsenden Bedrohung durch linksextremistische Gruppen. Gleichzeitig regte die Aktion Debatten über Radikalisierung, politische Gewalt und die gesellschaftlichen Ursachen an.
Heute sehen Historiker die Befreiung als symbolischen Startpunkt der RAF, die in den 1970er- und 1980er-Jahren mehrere Anschläge, Morde und Entführungen verübte - die unter anderem 1977 im Deutschen Herbst gipfelten.