Heute vor 43 Jahren: Dieser Raketenalarm hätte die Welt in Atem halten können
Heute vor 43 Jahren, am 26. September 1983, meldete das sowjetische Frühwarnsystem einen amerikanischen Raketenangriff. Doch ein sowjetischer Offizier glaubte der Warnung nicht. Was in dieser Nacht wirklich passierte, ist bis heute bemerkenswert.
Unter "heute vor ... Jahren" gibt es viele weitere Storys zu entdecken.
Oberstleutnant Stanislaw Petrow war in dieser Nacht für die Überwachung des sowjetischen Satelliten-Frühwarnsystems verantwortlich. Das System sollte mögliche Starts amerikanischer Interkontinentalraketen (auch Langstreckenraketen genannt) erkennen.
Kurz nach Mitternacht schlug es am 26. September 1983 Alarm. Zunächst wurde der Start einer US-Rakete angezeigt. Wenig später folgten vier weitere Meldungen. Insgesamt meldete das System fünf Raketen.
Petrow zweifelte jedoch an der Anzeige. Ein amerikanischer Erstschlag mit lediglich fünf Raketen erschien ihm nicht schlüssig. Auch weitere technische Informationen sprachen zunächst nicht für einen tatsächlichen Angriff.
Statt die Meldung als bestätigte Offensive zu behandeln, bewertete Petrow sie als Fehlalarm. Seine Einschätzung erwies sich als richtig: Es gab keinen amerikanischen Raketenangriff.
Warum die Satelliten plötzlich Raketen sahen
Später wurde rekonstruiert, wie es zu der Warnung kommen konnte. Die Ursache lag in einer ungewöhnlichen Konstellation: Sonnenlicht wurde von hoch liegenden Wolken reflektiert. Die Sensoren der sowjetischen Frühwarnsatelliten registrierten diese Signale und interpretierten sie fälschlicherweise als Hinweis auf Raketenstarts. Die spezielle Umlaufbahn der Satelliten begünstigte diesen Effekt.
Das noch junge Frühwarnsystem hatte damit eine natürliche Erscheinung als militärischen Angriff fehlinterpretiert. Anschließende Untersuchungen machten den technischen Fehler sichtbar.
Später wurde Stanislaw Petrow als "Mann, der die Welt rettete" bezeichnet. Ob seine Entscheidung tatsächlich einen Atomkrieg verhindert hat, lässt sich allerdings nicht beweisen. Niemand kann mit Sicherheit sagen, wie die sowjetische Führung auf eine bestätigte Angriffsmeldung reagiert hätte.
Sicher ist nur: Er erkannte den Alarm als Fehlmeldung – und verhinderte damit zumindest, dass eine falsche Warnung von ihm als tatsächlicher Raketenangriff eingestuft wurde.
Der Vorfall blieb zunächst geheim. Erst Jahre später wurde bekannt, was sich in jener Nacht ereignet hatte.
Stanislaw Petrow starb am 19. Mai 2017 im Alter von 77 Jahren.
Titelfoto: Queery-54/CC BY-SA 4.0/Wikimedia Commons
