Heute vor 49 Jahren: Ein falscher Schritt hätte tödlich für ihn enden können

Heute vor 49 Jahren, am 26. Mai 1977, kletterte ein Mann ohne Seil die Fassade des World Trade Centers hinauf - Hunderte Menschen verfolgten die riskante Aktion live von der Straße aus.

Spektakuläre sowie tragische Ereignisse aus aller Welt kannst Du unter "heute vor ... Jahren" nachlesen.

George Willig (li.) klettert das World Trade Center hinauf.  © Screenshot: Twitter(X)/@mariobianchi18

Es ist eine Szene, die selbst für New York (USA) und die 1970er Jahre außergewöhnlich war: In den frühen Morgenstunden am 26. Mai 1977 begann George Willig die Fassade des World Trade Center (WTC) zu erklimmen.

Der damals 27-Jährige arbeitete im technischen Bereich. Er galt zwar nicht als professioneller Extremsportler, verfügte jedoch über Erfahrung im Klettern. Die Aktion wurde von ihm über mehrere Monate im Vorfeld gezielt vorbereitet.

Willig stieg am Südturm des WTC Etage für Etage nach oben. Dabei nutzte er die Struktur der Fassade, insbesondere Fensterrahmen und Stahlträger, als Halt bzw. um sich nach oben zu bewegen.

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Mit zunehmender Höhe wuchs die Aufmerksamkeit: Hunderte Menschen verfolgten das Geschehen von den Straßen Manhattans. Der Aufstieg dauerte rund dreieinhalb Stunden.

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Improvisierte Technik, großes Risiko

Statt klassischer Sicherung setzte Willig auf speziell angefertigte Metallvorrichtungen, die er an der Fassade befestigte. Diese dienten als Haltepunkte und ermöglichten ihm den Aufstieg ohne Seil. Trotz dieser Hilfsmittel blieb die Situation gefährlich.

Deshalb befanden sich Polizei und Feuerwehr vor Ort, sicherten die Umgebung und begleiteten den Aufstieg - zum Teil sogar in einem Außenaufzug für Fensterputzer, nur für den Fall, dass Willigs Kraft nachlassen sollte.

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Wie endete die Kletteraktion?

Nachdem Willig das Dach des Südturms in über 400 Metern Höhe erreicht hatte, wurde er von Einsatzkräften in Empfang genommen. Diese gratulierten dem jungen Mann zuerst, baten um ein Foto und nahmen ihn schließlich fest - wegen unerlaubten Betretens von Privateigentum.

Ursprünglich hätte Willig eine Geldstrafe von 250.000 US-Dollar zahlen müssen, so lautete die Forderung der New Yorker Behörden. Allerdings haben sie die Rechnung ohne den damaligen Bürgermeister gemacht. Denn dieser war so beeindruckt von der Kletteraktion, dass die Strafe eher einen symbolischen Wert hatte.

Letztlich musste George Willig nur 1,10 US-Dollar zahlen, berechnet mit einem Cent pro erklommenen Stockwerk.

Die Kletteraktion war in erster Linie eine bewusst inszenierte, außergewöhnliche Einzelaktion, die Aufmerksamkeit, technische Herausforderung und persönliche Motivation kombinierte. Sie knüpfte an frühere sogenannte "Human Fly"-Kletterer an, die durch spektakuläre Fassadenaufstiege bekannt wurden. Hinweise auf politische Motive oder einen spontanen Entschluss Willigs gab es nicht.

Vor allem aber machte das Ereignis deutlich, wie zugänglich selbst extrem hohe Gebäude damals waren. Es löste Diskussionen über Sicherheitsmaßnahmen aus und bleibt eines der bekanntesten Beispiele für eine atemberaubende Hochhausbesteigung.

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