Heute vor 131 Jahren: Oscar Wildes harte Strafe wegen Liebe und Identität
Heute vor 131 Jahren, am 25. Mai 1895, wurde ein gefeierter Schriftsteller zu einem verurteilten Strafgefangenen. Der Prozess gegen Oscar Wilde erschütterte die britische Öffentlichkeit. Ausgelöst durch einen persönlichen Konflikt und getragen von den strengen Moralvorstellungen der Zeit, entwickelte sich der Fall zu einem der bekanntesten Justizskandale des viktorianischen Englands.
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Oscar Wilde (1854 bis 1900) zählte zu den bekanntesten und gleichzeitig umstrittensten Autoren des viktorianischen Zeitalters. Mit Romanen, Essays und Theaterstücken prägte er die englische Literatur des 19. Jahrhunderts.
Im Zentrum der späteren Ereignisse stand Wildes Beziehung zu dem deutlich jüngeren Lord Alfred Douglas. Die Verbindung führte zu Spannungen mit dessen Vater, dem Marquess of Queensberry, der Wilde offen beschuldigte, homosexuelle Beziehungen zu Männern zu unterhalten - ein Vorwurf, der im damaligen England strafbar war.
Wilde reagierte zunächst mit einer Verleumdungsklage gegen Queensberry, scheiterte jedoch, nachdem dieser Beweise gegen Wilde vorlegen konnte.
Daraufhin leitete der Staat ein Strafverfahren ein. Grundlage war der Criminal Law Amendment Act 1885, der "gross indecency", also sexuelle Handlungen zwischen Männern, unter Strafe stellte.
Nach zwei Gerichtsverfahren wurde Wilde am 25. Mai 1895 wegen homosexueller Unzucht schuldig gesprochen.
Urteil und Haftbedingungen
Das Gericht verurteilte Wilde zu zwei Jahren Zuchthaus mit harter Arbeit, darunter körperlich belastende und monotone Tätigkeiten wie Steine zerkleinern oder stundenlange Arbeit an der Tretmühle. Diese Aufgaben dienten weniger einem praktischen Nutzen als der Disziplinierung und Bestrafung.
Dazu kamen strenge Regeln wie lange Phasen der Isolation, Schweigepflicht und eine einfache, knappe Ernährung.
Für Wilde, der zuvor ein intellektuelles Leben führte, war diese Form der Unterbringung bzw. Arbeit besonders belastend. Letztlich wirkten sie sich negativ auf seine körperliche und gesundheitliche Verfassung aus.
Gesellschaftlicher Hintergrund im viktorianischen England und Folgen für Wilde
Im viktorianischen Großbritannien waren homosexuelle Handlungen strafbar. Die Gesellschaft war geprägt von strengen moralischen Normen, und öffentliche Skandale wurden intensiv verfolgt. Der Fall Wilde erhielt große Aufmerksamkeit und wurde breit diskutiert.
Nach seiner Entlassung 1897 war Wilde nicht nur gesundheitlich angeschlagen, sondern auch finanziell und gesellschaftlich stark eingeschränkt. Er verließ Großbritannien und lebte bis zu seinem Tod am 30. November 1900 im Ausland.
Fun Fact: Trotz seiner unbefangenen Art gegenüber Homosexualität heiratete Wilde 1884 die Kinderbuchautorin Constance Lloyd und bekam mit ihr zwei Söhne. Die Ehe wurde nie geschieden.
Oscar Wilde prägte das öffentliche Bild von Schwulen nachhaltig. Sein exzentrischer Stil und Humor, seine Wortgewandtheit sowie Begeisterung für Schönheit führten dazu, dass Männer mit ähnlichen Eigenschaften spöttisch als "Oscar" bezeichnet wurden - ein Stereotyp homosexueller Männer, das bis heute nachwirkt.
Titelfoto: Napoleon Sarony/Public domain/Wikimedia Commons
