Heute vor 64 Jahren, am 24. Januar 1962, gelang 28 Menschen in der DDR die Flucht nach West-Berlin. Sie nutzten einen selbstgebauten Tunnel unter der Berliner Sektorengrenze. Es ist eine der spektakulärsten Fluchtaktionen der frühen Mauerjahre.
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Ein Tunnel als letzter Ausweg
In den Tagen zuvor hatten Fluchthelfer und Flüchtende, aber vor allem Erwin Becker und seine Brüder Günter und Bruno, einen etwa 30 Meter langen Tunnel vom Haus der Familie Becker im Ostteil der Stadt bis nach West-Berlin gegraben.
Die Familie lebte in unmittelbarer Nähe der Sektorengrenze und sollte deshalb von den DDR-Behörden zwangsweise umgesiedelt werden. Die Arbeiten fanden heimlich und unter großer Gefahr, erwischt zu werden, statt. Gerda Becker, die Schwester der Initiatoren beobachtete vom Küchenfenster aus, ob Gefahr durch Grenzposten drohte.
Am 24. Januar 1962 nutzten schließlich 28 Flüchtende den engen Fluchtweg. Sie krochen nacheinander durch den Tunnel.
Der Ausstieg aus dem Tunnel lag allerdings noch auf Ost-Berliner-Gebiet, nur wenige Meter vor der eigentlichen Grenze. In der Nacht gegen 1.30 Uhr nutzten sie eine günstige Situation, als die Grenzposten ihren Standort wechselten. Die Gruppe konnte sich unbemerkt vom Tunnel entfernen und die Grenze zu Fuß überwinden. Dabei kam es zu einem Zwischenfall: Eine ältere Frau brach im Tunnel ohnmächtig zusammen, wurde jedoch von den Helfern geborgen und über das Gelände getragen.
Am Ende erreichten alle 28 Personen sicher den Westteil Berlins. Die Flucht gilt als eine der erfolgreichsten Tunnelfluchtaktionen in den frühen Mauerjahren und wurde noch im selben Jahr mit dem Titel "Tunnel 28" verfilmt.
Flucht mit ungewissem Ausgang
Tunnel galten nach dem Mauerbau als möglicher, aber äußerst riskanter Fluchtweg. Mehr als 70 solcher Vorhaben sind dokumentiert, doch nur etwa jedes dritte führte tatsächlich in den Westen. Schätzungen zufolge gelangten mehrere Hundert Menschen aus der DDR nach West-Berlin.
Die Flucht vom 24. Januar 1962 gehört zu den wenigen Fällen, in denen eine größere Gruppe die Grenze unentdeckt überwinden konnte.