Heute vor 64 Jahren: Lebensverlängernde OP dank aufwendigem DIY-Projekt

Heute vor 64 Jahren, am 3. April 1962, machte ein außergewöhnliches Gerät eine offene Herz-OP in der DDR möglich: eine selbstgebaute Herz-Lungen-Maschine. Nur etwa zwei Wochen zuvor war in Leipzig erstmals eine Herz-Lungen-Maschine im Einsatz gewesen. Warum also selbst bauen? Und wie kam es dazu?

Welche Ereignisse sich außerdem jähren, erfährst Du unter: heute vor … Jahren.

Dieses Gerät baute das Team um Professor Schober selbst.
Dieses Gerät baute das Team um Professor Schober selbst.  © Wikimedia Commons/CC-BY-SA-3.0/VH-Halle

Eine Herz-Lungen-Maschine (HLM) übernimmt bei Operationen am offenen Herzen zeitweise die Pumpfunktion des Herzens sowie die Aufgabe der Lunge.

Sie reichert das Blut mit Sauerstoff an und entfernt Kohlenstoffdioxid. So kann das Herz stillgelegt und operiert werden.

Entwickelt wurde die Maschine in den 1930er-Jahren vom amerikanischen Chirurgen John Heysham Gibbon. Erstmals erfolgreich zum Einsatz kam sie 1953.

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In Deutschland wurde eine Herz-Lungen-Maschine erstmals am 19. Februar 1958 an der Uniklinik Marburg verwendet.

Improvisation statt Import

Der hallesche Herzchirurg Professor Karl-Ludwig Schober sieht eine solche Maschine zunächst in einer ungarischen Klinik und wünscht sich das Gerät für seine Patienten.

Doch Leipzig wurde in der DDR als medizinisches Zentrum priorisiert, und aufgrund der Mangelwirtschaft sowie des chronischen Devisenmangels der DDR konnte der Mediziner keine Herz-Lungen-Maschine aus dem Westen importieren.

Also entschloss er sich, das Gerät selbst zu bauen.

Professor Karl-Ludwig Schober entwickelte die Hallesche Herz-Lungen-Maschine.
Professor Karl-Ludwig Schober entwickelte die Hallesche Herz-Lungen-Maschine.  © Wikimedia Commons/CC-BY-SA-3.0/Unknown Author/Heinz Neef

Vom Plan zum fertigen Gerät

Am Bau sind neben ihm außerdem Fritz Struß, ein Physiologe der Uni Halle-Wittenberg, sowie dessen Mitarbeiter beteiligt. Sie mussten zunächst Operationen ihrer Kollegen in Westberlin beobachten, die mit einer amerikanischen HLM arbeiteten. Sie machten Konstruktionsskizzen und Fotos der Maschine, nahmen die Maße, und befragten ihre West-Kollegen zum Gerät und der Funktionsweise.

Zurück in Halle mussten dann die Materialien beschafft werden. Dabei galt es, eine Vielzahl unter anderem technischer und chemischer Details zu beachten.

Da Edelstahl nicht mit Blut reagiert, suchten sie speziell nach dem Material und wurden zuletzt auf Schrottplätzen mit Überbleibseln aus dem Krieg fündig. Auch andere Teile wie Keilriemen, Röhren, Glaszylinder und Kunststoffschläuche müssen aufwendig - und teilweise dreist - beschafft werden.

Gleichzeitig wurden Methoden entwickelt, um die Einwegschläuche für eine Mehrfachnutzung zu sterilisieren, ohne sie zu beschädigen.

Die "Diva" geht in Betrieb

Am 3. April 1962 war es so weit: Die liebevoll "Diva" genannte Maschine wurde bei einer Herz-OP an einem elfjährigen Jungen mit Loch in der Vorhofscheidewand erfolgreich eingesetzt.

Bis 1972 war sie im Einsatz und ermöglichte zunehmend komplexere Eingriffe.

Titelfoto: Bildmontage: Wikimedia Commons/CC-BY-SA-3.0/VH-Halle, Wikimedia Commons/CC-BY-SA-3.0/Unknown Author/Heinz Neef

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