Heute vor 66 Jahren sorgte ein medizinischer Durchbruch für Diskussionen

Heute vor 66 Jahren, am 9. Mai 1960, wurde in den USA erstmals offiziell die Antibabypille als Empfängnisverhütung zugelassen. Es war der Beginn einer sowohl medizinischen als auch gesellschaftlichen Entwicklung.

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Die Pille zur Empfängnisverhütung sorgte auch für moralische Diskussionen.  © 123RF/kseniajoyg

Angestoßen wurde die Entwicklung des hormonellen Verhütungsmittels durch die amerikanische Krankenschwester Margaret Sanger. Bei ihrer täglichen Arbeit sah sie immer wieder Frauen, die an den Folgen ungewollter Schwangerschaften sowie nicht fachgerechter Schwangerschaftsabbrüche qualvoll starben.

Um dagegen vorzugehen, wandte sie sich zunächst nur aus Interesse an den Biologen Gregory Pincus.

Dieser entwickelte Enovid, eine Östrogen-Gestagen-Kombination aus den Hormonen Mestranol und Norethinodrel, die den Eisprung unterdrückt.

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Interessanterweise wurde es bereits 1957 als Medikament zur Behandlung von Menstruationsbeschwerden und Zyklusstörungen zugelassen. Das Aussetzen des Eisprungs wurde dabei als Nebenwirkung aufgezählt.

Erst am 9. Mai 1960 wurde es offiziell als Mittel zur Schwangerschaftsverhütung freigegeben und ab dem 18. August 1960 auf dem amerikanischen Markt verkauft.

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Antibabypille in Deutschland

In Deutschland kam die Pille etwas später an: Am 1. Juni 1961 brachte das Pharmaunternehmen Schering AG das Präparat "Anovlar" auf den Markt. Auch hier wurde es zunächst nur gegen starke Menstruationsschmerzen oder zur Zyklusregulation verschrieben.

Außerdem war die Pille anfangs nur für verheiratete Frauen mit mehreren Kindern sowie mit Zustimmung des Ehemanns erhältlich.

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Übrigens: In der DDR versuchte man, den Begriff "Wunschkindpille" zu etablieren, da er nicht so eine negative Konnotation wie die Antibabypille aus dem Westen hatte. Schließlich war die Pille laut Mitentwickler Carl Djerassi kein Mittel gegen Babys, sondern für die Unabhängigkeit und Selbstbestimmung der Frau. Der Begriff setzte sich aber nicht durch.

Aufnahme der Pille als Kontrazeptivum

Anfang der 60er-Jahre standen viele Menschen der Pille noch skeptisch gegenüber. 1963 waren 47 Prozent der Frauen der Meinung, die Pille sollte nicht erlaubt sein. Auch der Papst Paul VI. verurteilte das Mittel.

Es wurde zunächst nicht von vielen Ärzten verschrieben und auch nur unter gewissen Bedingungen.

Dennoch war die Pille unter anderem mitverantwortlich für die sexuelle Revolution in den 60er-Jahren.

Mit der Zeit hat sich die Auswahl an Verhütungsmethoden deutlich erweitert. Neben dem Kondom als Verhütungsmittel greifen viele junge Frauen heute alternativ beispielsweise zur Hormon- oder Kupferspirale oder zu einem Diaphragma.

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