Heute vor 82 Jahren gelang zwei Männern viel mehr als ihre persönliche Flucht

Heute vor 82 Jahren, am 10. April 1944, gelang es Rudolf Vrba und Alfréd Wetzler bei ihrem dreitägigen Versuch, aus dem KZ Auschwitz-Birkenau auszubrechen und zu fliehen. Doch nicht nur das.

Welche historischen Ereignisse sich außerdem jähren, erfährst Du unter: heute vor … Jahren.

Noch bevor ihnen der Ausbruch gelungen war, wurde weitläufig nach Wetzler und Rosenberg gefahndet.  © Wikimedia Commons/Public Domain/Unknown author

Rudolf Vrba (eigentlich Walter Rosenberg) und Alfréd Wetzler waren slowakische Juden, die 1942 ins Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau deportiert und dort zu Funktionshäftlingen wurden.

Das sind Gefangene, die von SS-Bewachern als Aufseher über Mithäftlinge bei der Arbeit oder für andere Funktionen eingesetzt werden.

Spätestens als sie im Vernichtungslager von Plänen hörten, über 800.000 Jüdinnen und Juden aus Ungarn zu deportieren, wollten sie dies verhindern und begannen, eine Flucht zu planen.

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Die beiden jungen Männer profitierten vom Einsatz außerhalb des Elektrozauns. Die SS-Wache, die sie und ihre Mithäftlinge tagsüber übersah, zog nach dem abendlichen Zählappell ab.

Da am 7. April 1944 dabei jedoch weniger Häftlinge als noch beim morgendlichen Appell erschienen, blieben die Wachen, sodass der Bauabschnitt für die folgenden drei Tage und Nächte ununterbrochen bewacht war.

In dieser Zeit versteckten sich Wetzler und Rosenberg unter einem Holzstoß in einem Erdloch. Drei Tage harrten sie dort aus, sodass die Wache letztendlich abzog.

Schließlich gelang ihnen die Flucht und sie konnten zu Fuß in die Slowakei nach Žilina fliehen, wo sie am 25. April 1944 Kontakt zu jüdischen Vertretern aufnahmen.

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Der Vrba-Wetzler-Bericht

Beim Judenrat schilderten sie dem Judenältesten Oskar Neumann die Zustände in Auschwitz - den Aufbau der Vernichtungslager, die Methoden sowie Opferzahlen.

Rosenberg gab sich zum Schutz den Decknamen "Rudolf Vrba", den er später auch offiziell annehmen würde.

Ihr Zeugenbericht wurde dokumentiert und zum 30-seitigen Vrba-Wetzler-Bericht, der später Teil der Auschwitz-Protokolle war. Erstmals wurde ein solcher Bericht wegen seiner Detailliertheit und Authentizität ernst genommen.

Jüdinnen und Juden in Ungarn und der Slowakei konnten vor dem drohenden Massenmord gewarnt und die westlichen Alliierten informiert werden.

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Folgen und Auswirkung

Auszüge wurden im Juni 1944 erstmals von schweizer und britischen Medien veröffentlicht. Zustände, die bisher nicht bekannt waren, beziehungsweise ignoriert wurden, konnten nun nicht mehr übersehen werden, wodurch internationaler Druck entstand.

Dadurch konnte unter anderem eine Deportation von mehr als 100.000 Menschen verhindert werden.

Außerdem war der Vrba-Wetzler-Bericht eines der Hauptdokumente bei den Nürnberger Prozessen 1945 gegen die Hauptkriegsverbrecher.

Als Beweismittel trug er wesentlich zur Anklage bei, indem er detaillierte Einblicke in die systematische Organisation und Durchführung des Massenmords in Auschwitz lieferte und damit die Verbrechen des NS-Regimes belegte.

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