Heute vor sechs Jahren: Der Tag, der mehr hinterließ als Trauer
Heute vor sechs Jahren, am 19. Februar 2020, ermordete ein Mann bei einem rassistisch motivierten Anschlag neun Menschen, bevor er seine Mutter und sich selbst erschoss. Aber nicht nur der eigentliche kaltblütige Anschlag schockiert - auch die Reaktion und die Aufarbeitung wirken noch lange nach.
Welche Ereignisse sich ebenfalls jähren, erfährst Du auf: heute vor … Jahren.
Tobias R., der 43-jährige Attentäter, erschoss am Abend des 19. Februar innerhalb von rund zwölf Minuten neun Menschen, die er für Ausländer hielt.
Im hessischen Hanau griff er die Shisha-Bar am Heumarkt sowie am Kurt-Schumacher-Platz an und schoss einen Menschen auf offener Straße nieder. Einen Verfolger erschoss er dann durch dessen Windschutzscheibe, bevor er an einem Kiosk und in der Arena Bar weitere Menschen tötete.
Nach dieser Tat kehrte er zurück nach Hause, erschoss seine Mutter und dann sich selbst.
Die 21- bis 37-jährigen Opfer, die in der Tatnacht zu Tode kamen, waren Hamza Kurtović, Said Nesar Hashemi, Vili Viorel Păun, Mercedes Kierpacz, Kaloyan Velkov, Fatih Saraçoğlu, Sedat Gürbüz und Gökhan Gültekin.
Sechs weitere wurden verletzt, von denen einer Monate später an Spätfolgen starb.
Der Täter und seine Motive
Der Täter war schon zuvor auffällig und den Behörden bekannt. Er stellte wirre und verschwörungsideologische Strafanzeigen, und besaß eine Waffenerlaubnis.
Auf seiner Webseite veröffentlichte er kurz vor der Tat einen Text, der sein rassistisches, antisemitisches, islamfeindliches und misogynes Weltbild darstellte.
Sein Bekennerschreiben ist neben Ausländerhass und Gedanken der Vernichtung ganzer Staaten auch von wahnhaften Theorien geprägt.
Aufarbeitung der Tat
Die Hinterbliebenen werfen den Behörden bis heute schweres Versagen vor: ein verschlossener Notausgang der Arena Bar, ein nicht erreichbarer Notruf mit mehreren vergeblichen Anrufen und ein Umgang mit Angehörigen, der teils nicht nur unsensibel war, sondern auch eher dem mit Gefährdern anstatt Betroffenen ähnelte. Auch die Waffenerlaubnis des Täters galt rückblickend als nicht zweifelsfrei.
Vier Jahre später entschuldigte sich die Polizei offiziell für Fehler und Versäumnisse.
In den folgenden fünf Jahren kam es außerdem immer wieder zur Belästigung der Angehörigen durch den Vater des Attentäters - dutzende Tatvorwürfe, die von Hausfriedensbruch bis Nachstellung und Beleidigung reichten.
Der Anschlag von Hanau und die Namen der Opfer dürfen nicht vergessen werden. Sie sind Mahnung und Auftrag zugleich: Rassismus klar zu benennen und nicht zu relativieren, sondern aktiv zu bekämpfen.
Titelfoto: Wikimedia Commons/CC-BY-SA-4.0/Christopher Glanzl
