Heute vor 30 Jahren: Die Geburt von Dolly überraschte die Welt
Heute vor 30 Jahren, am 5. Juli 1996, gelang Forschern in Schottland ein Durchbruch, der damals als nahezu unmöglich galt: Das Klon-Schaf Dolly wurde geboren. Es war das erste Säugetier, das aus einer erwachsenen Körperzelle geklont wurde. Als das Experiment 1997 öffentlich gemacht wurde, sorgte es weltweit für Schlagzeilen.
Viele weitere spannende Ereignisse, die sich jähren, findest Du hier: heute vor ... Jahren.
Für das Experiment nutzten Wissenschaftler eine Körperzelle aus dem Euter eines erwachsenen, bereits geschlachteten Schafs der Rasse "Finn Dorset" und entnahmen daraus den Zellkern.
Dieser wurde in eine Eizelle eingesetzt, deren eigener Zellkern bzw. zugehöriges Erbgut zuvor entfernt worden war. Durch elektrische Impulse begann sich die Zelle zu teilen und entwickelte sich schließlich zu einem Embryo. Die Methode wird als Zellkerntransfer bezeichnet.
Aus den insgesamt 277 Versuchen entstanden 29 Embryonen, von denen allerdings nur einer überlebte und schließlich erfolgreich zur Geburt von Dolly am 5. Juli 1996 führte. Das zeigte schon damals, wie komplex das Klonen von Säugetieren ist.
Dolly wurde von einem Leihmutter-Schaf der Rasse "Scottish-Blackface" ausgetragen. Die Eizellen der Spendertiere stammten ebenfalls von dieser Rasse.
Warum Dolly als Sensation galt
Dolly bewies erstmals, dass der Zellkern einer spezialisierten Körperzelle genutzt werden kann, um ein vollständiges Säugetier entstehen zu lassen. Die Erkenntnisse aus dem Experiment beeinflussten später unter anderem die Stammzellforschung, die Reproduktionsmedizin und Teile der Genetik.
Gleichzeitig löste das Klon-Schaf weltweit Diskussionen über Ethik und mögliche Anwendungen des Klonens aus. Besonders die Frage, ob künftig auch Menschen geklont werden könnten, stand im Mittelpunkt vieler Debatten.
Und tatsächlich: Mittlerweile hat das Klonen auch mit anderen Tierarten wie Katzen, Schweinen, Hunden, Rindern, Pferden oder Affen funktioniert. Allerdings sind die Ergebnisse nicht immer erfolgreich - woran das liegt, wird weiter erforscht.
Was geschah später mit Dolly?
Dolly brachte selbst mehrere Lämmer zur Welt und lebte bis 2003. Wegen einer Lungenerkrankung wurde das Schaf eingeschläfert. Zeitweise wurde diskutiert, ob Dolly Anzeichen vorzeitiger Alterung zeigte, da die verwendete DNA aus einer erwachsenen Körperzelle stammte. Eindeutig belegt wurde dies jedoch nie.
Heute ist Dolly im National Museum of Scotland ausgestellt und zählt zu den bekanntesten Versuchstieren der Wissenschaftsgeschichte.
Fun Fact: Dolly soll nach der Country-Sängerin Dolly Parton benannt worden sein. Die Forscher wählten diesen Namen, weil das Schaf aus einer Euter- bzw. Brustzelle geklont wurde - und Dolly Parton ist bekannt für ihre sehr ausgeprägte Brust.
Es ist beruhigend, zu wissen, dass das Klonen von Menschen weltweit verboten ist. Darstellungen in Filmen und Büchern über geklonte Menschen sind reine Fiktion. Gelegentlich kursieren Behauptungen über erfolgreiche Menschenklonung, die wissenschaftlich jedoch nicht belegt sind. In der Forschung steht stattdessen die Züchtung von Gewebe und Organen wie Herzen, Nieren oder Lungen im Fokus.
Titelfoto: Toni Barros aus São Paulo, Brasilien/CC BY-SA 2.0/Wikimedia Commons
