Heute vor 155 Jahren: Als aus Hoffnung ein blutiges Ende wurde
Heute vor 155 Jahren, am 21. Mai 1871, drangen Regierungstruppen durch ein ungesichertes Tor in Paris ein und lösten damit die sogenannte Blutwoche aus - eine Eskalation, die innerhalb weniger Tage tausende Tote forderte und das Ende der Pariser Kommune besiegelte.
Geschichtsträchtige Ereignisse aus aller Welt gibt es unter "heute vor ... Jahren".
Die Pariser Kommune (so wurde damals der Stadtrat bezeichnet) entstand am 18. März 1871 in einer Phase politischer Unsicherheit nach dem gerade verlorenen deutsch-französischen Krieg.
Während die französische Regierung in Versailles saß, kontrollierten bewaffnete Bürger und Nationalgardisten, auch Kommunarden genannt, Paris. Ihr Ziel war es, die Hauptstadt nach sozialistischen Vorstellungen zu verwalten.
Am 21. Mai 1871 gelang es Regierungstruppen des Landes, durch ein unzureichend gesichertes Stadttor in Paris einzudringen. Dieser Vorstoß markierte den Beginn der militärischen Rückeroberung. In den folgenden Tagen rückten die Soldaten systematisch durch die Stadt vor.
Die Kämpfe verlagerten sich rasch in die dicht besiedelten Viertel. Anhänger der Kommune errichteten Barrikaden und leisteten Widerstand, konnten den Vormarsch jedoch nicht aufhalten.
Die Gefechte dauerten etwa eine Woche und konzentrierten sich zunehmend auf den Osten der Stadt, wo der Widerstand am längsten anhielt.
Die Blutwoche forderte hohe Opferzahlen
Zahlreiche Gebäude, darunter der Louvre, das Rathaus, der Tuilerien-Palast sowie mehrere Theater, wurden in unterschiedlichem Maße zerstört.
Außerdem kam es während der Blutwoche zu umfangreichen Tötungen durch die französischen Regierungstruppen. Historische Studien schätzen die Zahl der Opfer auf etwa 15.000 bis 20.000 Menschen. Darüber hinaus wurden viele Beteiligte verhaftet, verurteilt oder deportiert. Die genaue Zahl bleibt aufgrund unterschiedlicher Quellenlage unsicher.
Am 28. Mai 1871 endete die Pariser Kommune mit der Erschießung der letzten aktiven Kommunarden.
Nur rund zwei Monate nach ihrer Ausrufung ist die Pariser Kommune bereits wieder beendet. Die Ereignisse der Blutwoche zählen zu den verlustreichsten innerstaatlichen Konflikten im Frankreich des 19. Jahrhunderts und prägten die politische Geschichte des Landes nachhaltig.
Titelfoto: Anonym/fotografiert/CC0/Wikimedia Commons
