Heute vor 81 Jahren, am 28. März 1945, kamen nach der Landung amerikanischer Truppen auf Tokashiki-jima, einer der Kerama-Inseln westlich von Okinawa, mehrere Hundert japanische Einwohner durch kollektive Suizide ums Leben. Das Ereignis gilt als eine der bekanntesten zivilen Tragödien während der Schlacht um Okinawa.
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Die Einnahme der Kerama-Inseln am 26. und 27. März 1945 diente der US-Armee zur Vorbereitung der Hauptoffensive auf Okinawa (Japan). Die Inseln boten geschützte Ankerplätze und ermöglichten logistische Unterstützung für die bevorstehende Großoperation.
Auf Tokashiki-jima befanden sich neben militärischen Einheiten aber auch zahlreiche japanische Einwohner und Einwohnerinnen.
Kurz nach der Landung der US-Marineinfanterie kam es auf den Inseln zu Massensuiziden unter der Zivilbevölkerung. Nach heutigen japanischen Angaben starben allein auf Tokashiki-jima 329 Einheimische, zumeist Bauern.
Der Gruppensuizid am 28. März 1945 auf Tokashiki-jima gilt als frühes Ereignis jener kollektiven Selbsttötungen, die sich auch in den darauffolgenden Monaten auf Okinawa fortsetzten.
Mögliche Hintergründe für die Suizide
Historische Studien verweisen auf mehrere Einflussfaktoren für die zahlreichen Suizide.
#1. So soll beispielsweise das Kaiserreich Japan während des Krieges intensive Propaganda betrieben haben, die vor angeblichen Gräueltaten amerikanischer Soldaten warnte und somit die Wahrnehmung vieler Zivilisten beeinflusste.
#2. Gleichzeitig existieren Hinweise, dass japanische Militärangehörige Zivilisten zur Selbsttötung aufforderten und sie dafür in Höhlen gebracht sowie ihnen Handgranaten bzw. andere Waffen überlassen haben sollen.
#3. Außerdem schuf die Angst vor Gefangenschaft, kombiniert mit militärischem Druck und Informationskontrolle eine Ausnahmesituation, in der viele Bewohner Suizid offenbar als letzten Ausweg sahen.
Die genaue Verantwortung und ob entsprechende Befehle wirklich erfolgten, ist bis heute Gegenstand historischer Forschung und juristischer Debatten in Japan.
Der Massenselbstmord als Teil einer größeren Tragödie
Die Ereignisse auf Tokashiki-jima stehen exemplarisch für das Leid der ansässigen Zivilbevölkerung während der Schlacht um Okinawa 1945, bei der insgesamt mehr als 100.000 Zivilisten ums Leben kamen.
In der japanischen Erinnerungskultur nehmen die Massensuizide von Tokashiki einen festen Platz ein. Heute erinnern Denkmäler und Friedensmuseen in Okinawa an die Opfer.
Die Geschehnisse von Tokashiki-jima verdeutlichen, wie Krieg, staatliche Informationskontrolle und Angst das Handeln von Menschen in Extremsituationen prägen können.