Rostock - Markus Rahmsdorf (34) beteiligte sich von Beginn an (Oktober 2025) mit seinem "Verein für Vermisstensuche und Detektivarbeit" an den Ermittlungen im Fall Fabian (†8). Von der Suche nach dem damals noch als vermisst geltenden Jungen bis jetzt zum Mordprozess. Zuletzt gab er dem Vorsitzenden Richter Holger Schütt sogar einen entscheidenden Hinweis über die unerlaubte Weitergabe von Beweismitteln. Doch schon genauso lange wird der Privatermittler nach eigenen Angaben bedroht, wie er TAG24 jetzt verriet.
Seit Monaten seien er und seine Familie Ziel einer mutmaßlichen Einschüchterungskampagne ausgesetzt.
Lange habe er zu den Ereignissen geschwiegen, doch inzwischen sei ein Ausmaß erreicht worden, das ein öffentliches Schweigen nicht länger zulasse.
Die Vorfälle reichten demnach von einer angezündeten Fußmatte über ein an die Haustür geschmiertes Hakenkreuz bis hin zu einem Drohbrief mit den Worten: "Wir töten dich, Rahmsdorf".
Als besonders schwerwiegend beschreibt Rahmsdorf einen Vorfall, bei dem ein Kinderwagen direkt vor seiner Wohnungstür in Brand gesetzt worden sei.
"Das war nicht mehr lustig", so Rahmsdorf. "Hätten wir das nicht rechtzeitig bemerkt, wären wir vermutlich an einer Rauchvergiftung gestorben." Dabei seien nicht nur seine Familie, sondern auch andere Hausbewohner gefährdet gewesen.
Angefangen habe alles mit wiederholt an seine Adresse bestellten Pizzalieferungen. Kurz darauf seien zudem mehrfach Mitarbeiter eines Bestattungsunternehmens vor seiner Tür erschienen, nachdem er offenbar fälschlich für tot erklärt worden sei. "Dreimal wollten sie mich abholen", so der 34-Jährige. Besonders belastend sei dies auch für seine Kinder gewesen, das jüngste sei zwei Jahre alt: "Die waren völlig schockiert."
Danach sei die Situation weiter eskaliert: Der 34-Jährige berichtet von einer Reihe falscher Meldungen bei den Behörden. So sei dem Landeskriminalamt gemeldet worden, er lagere Sprengstoff und Schusswaffen im Keller. Später habe es Hinweise gegeben, er schieße in seiner Wohnung um sich, befinde sich in einer hilflosen Lage oder sei suizidgefährdet.
Die Folge seien Hausdurchsuchungen sowie Einsätze von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst gewesen. Auch seine familiäre Situation leide darunter: "Ich habe viele schlaflose Nächte!"
Markus Rahmsdorf: "Ich soll mich bei dem Fall heraushalten, sonst wird etwas passieren"
Bis heute würden außerdem Drohanrufe eingehen: "Alle drei Tage bekomme ich unbekannte Anrufe, auch mitten in der Nacht", so Rahmsdorf weiter.
Die Botschaft sei stets dieselbe: "Ich soll mich bei dem Fall heraushalten, und wenn ich was sage, wird was passieren."
Sogar seine Kinder seien schon bedroht worden. So habe es Hinweise gegeben, dass ihnen etwas zustoßen könne, sollte er vor Gericht aussagen.
Die Drohungen seien so konkret gewesen, dass sogar die Schule reagiert und Anzeige erstattet habe. Sämtliche Vorfälle habe auch er selbst zur Anzeige gebracht.
Rahmsdorf vermutet, dass die Täter aus dem Umfeld einer engen Vertrauten von Fabians Mutter stammen könnten. Mehr will er aber (noch) nicht sagen, da er eine mögliche Zeugenaussage vor Gericht nicht gefährden will.
Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Rostock gegenüber TAG24 bestätigte, habe sich Rahmsdorf im Zusammenhang mit dem laufenden Mordprozess bereits mehrfach mit dem Anliegen, als Zeuge auszusagen, an die Behörden gewandt, sei dabei jedoch wiederholt an das zuständige Landgericht verwiesen worden.
In Bezug auf die von ihm geschilderten mutmaßlichen Vorfälle gegen seine Person sei ihm geraten worden, entsprechende Drohungen und weitere Verdachtsmomente zur Anzeige zu bringen. Ob er diesen Schritt tatsächlich gegangen sei, konnte der Sprecher zunächst nicht bestätigen.
Fall Fabian: Privatermittler glaubt an einen zweiten Täter
Rahmsdorf vermutet, dass die anhaltenden Einschüchterungsversuche mit seinen ebenfalls anhaltenden Ermittlungen im Fall Fabian zusammenhängen, bei denen er einige Ungereimtheiten aufgedeckt habe.
Zum Beispiel ist er davon überzeugt, dass an der Tat mehr als nur eine Person beteiligt gewesen sein könnte. Das legten Teile seiner Recherche nahe.
Für Rahmsdorf stehen insbesondere der Fundort von Fabians Leiche sowie die besondere Brutalität der Tat im Mittelpunkt seiner Überlegungen.
Nach seiner Einschätzung zielte das Verbrechen vor allem darauf ab, dem Vater des Jungen größtmöglichen Schaden zuzufügen. Dieser hatte den Privatermittler nach eigenen Angaben im Oktober 2025 damit beauftragt, bei der Suche nach seinem Sohn zu helfen.
Sollte die Angeklagte Gina H. und Freundin von Fabians Vater tatsächlich schuldig sein, habe sie nach seiner Einschätzung nicht allein gehandelt. Vielmehr glaubt Rahmsdorf, dass sie möglicherweise jemanden schützt und deshalb bis heute schweigt.
Trotz der massiven Bedrohungslage will der 34-Jährige deshalb nicht aufgeben. "Ich weiß, wenn ich jetzt aufgebe, dann wird eine Person verurteilt und eine weitere Person läuft eventuell weiter frei rum", sagt er.
Deshalb wolle er weiterhin als Zeuge zur Verfügung stehen und seine Erkenntnisse in das Verfahren einbringen. "Ich gebe nicht auf", betont Rahmsdorf. Sein Ziel sei es, dass am Ende "ein fairer Prozess" geführt werde und die vollständige Wahrheit ans Licht komme.
Deswegen sein eindringlicher Appell an mögliche Zeugen und Mitwisser: "Jeder, der wirklich etwas weiß, sollte den Mund aufmachen." Schließlich gehe es nicht um eine Bagatelle, sondern um den Tod eines Kindes. Der Fall Fabian sei für ihn einer der "grausamsten" Vermisstenfälle gewesen, mit denen er bislang zu tun hatte.
Erstmeldung am 23. Juni, aktualisiert am 24. Juni um 15.37 Uhr.