Von Sabine Dobel und Britta Schultejans
München - Es ist eine friedliche Demonstration der Gewerkschaft Verdi, Polizeiwagen begleiten die rund 1400 Demonstranten. Plötzlich rast ein weißer Kleinwagen an einem Polizeiauto vorbei direkt in die Menge. Der Wagen erfasst als Erste die zwei Jahre alte Hafsa im Kinderwagen und ihre Mutter Amel – beide sterben.
Zum Jahrestag haben die Stadt München und die Gewerkschaft Verdi am Tatort zu einem Gedenken eingeladen.
"Das Leid und die Folgen des Anschlags begleiten unsere Stadt bis heute – am Jahrestag werden Schmerz und Erinnerung besonders spürbar", sagte Oberbürgermeister Dieter Reiter (67, SPD).
Zu dem Gedenken werden auch Teilnehmer der Demo und Überlebende erwartet. Manche werden allerdings bewusst nicht dabei sein – die Belastung ist für sie bis heute zu hoch.
Keine 500 Meter vom Tatort entfernt wird seit Mitte Januar am Oberlandesgericht München gegen den 25-jährigen Afghanen verhandelt, der am Steuer des Kleinwagens saß.
Verhandlung geht am Jahrestag weiter – allerdings ohne Betroffene
Die Bundesanwaltschaft geht von islamistischem Terrorismus als Motiv aus. Sie hat den Mann, der 2016 nach Deutschland gekommen war, unter anderem wegen zweifachen Mordes und versuchten Mordes in 44 Fällen angeklagt.
Auch am Jahrestag will das Gericht verhandeln – allerdings ohne Betroffene als Zeugen zu laden, damit diese zumindest die Chance haben, an dem Gedenken teilzunehmen.
Der mutmaßliche Täter hatte zum Prozessauftakt geschwiegen.