Dresdner Polizisten totgefahren: Verteidigung fordert Einstellung des Mordverfahrens

Cottbus/Dresden - War ihm seine Flucht wichtiger als das Leben des Polizisten? Am Mittwoch begann vor dem Cottbusser Landgericht der Mordprozess gegen den Polen Dawid K. (27). Der Autodieb soll den Dresdner Polizisten Maximilian Stoppa (†32) in Lauchhammer überfahren haben. Doch der Anwalt fordert die Einstellung, da es schon ein Urteil gebe.

Dawid K. (27) soll im vergangenen Januar den Dresdner Polizeibeamten Maximilian Stoppa (†32) im Zuge einer Verfolgungsjagd getötet haben.
Dawid K. (27) soll im vergangenen Januar den Dresdner Polizeibeamten Maximilian Stoppa (†32) im Zuge einer Verfolgungsjagd getötet haben.  © Ove Landgraf

Dawid K. fuhr am 7. Januar 2025 einen Skoda Octavia, sicherte damit die Fahrt eines in Nörten-Hardenberg gestohlenen Grand Cherokee ab.

Die Bande hatte in der Stadt bereits einen Audi gestohlen, Dawid K. fuhr nicht das Pilotfahrzeug, sondern half auch beim Knacken der Autos mit einem Funkwellenverlängerer. Dafür verurteilte ihn das Landgericht Hildesheim bereits im September 2025 zu fünf Jahren Haft.

Doch in Cottbus ging es um Mord: Laut Anklage raste Dawid K. mit 172 Stundenkilometern über die Bundestraße 169 nach Lauchhammer, die Polizei bereits hinter sich. Oft soll er überholt oder Kreisverkehre in die falsche Richtung befahren haben. Auch in der Bockwitzer Straße soll er, obwohl er das zivile Polizeifahrzeug sah, mehrere Autos überholt haben.

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In dem Moment stieg Polizist Maximilian Stoppa aus, wollte den Wagen mit einem Stop Stick anhalten. Doch Dawid K. soll einfach Gas gegeben haben, der Dresdner Polizist wurde erfasst, 15 Meter durch die Luft geschleudert und rutschte noch acht Meter über die Straße bevor er leblos liegen blieb.

Stoppa hatte keine Chance: Hirnstamm und Kleinhirn waren zertrümmert, der Notarzt konnte nur noch den Tod feststellen.

Der alarmierte Notarzt konnte damals nichts mehr für den 32-Jährigen tun. (Archivbild)
Der alarmierte Notarzt konnte damals nichts mehr für den 32-Jährigen tun. (Archivbild)  © Robert Michael/dpa
Der Tod Stoppas sorgte bundesweit für Bestürzung. (Archivbild)
Der Tod Stoppas sorgte bundesweit für Bestürzung. (Archivbild)  © Sebastian Kahnert/dpa

Bestatter erinnert sich: "War kein Einsatz wie jeder andere"

Polizeikommissarin Paula (21) und Bestatter Eric Lehmann (22) waren am ersten Verhandlungstag dabei.
Polizeikommissarin Paula (21) und Bestatter Eric Lehmann (22) waren am ersten Verhandlungstag dabei.  © Eric Hofmann

Der Tod des jungen Familienvaters sorgt noch immer für Entsetzen und zog auch Kollegen in den Gerichtssaal: "Man geht jetzt anders in den Dienst", sagt die junge Brandenburger Polizeikommissarin Paula (21) gegenüber TAG24. "Man ist doch betroffen."

Auch der Bestatter vom Unfalltag kann es nicht vergessen: "Das war kein Einsatz wie jeder andere", sagt Eric Lehmann (22). "Man musste sehen, was passieren kann, wenn man etwas für die Gesellschaft tut."

Und so warteten viel gespannt, wie sich der mutmaßliche Mörder einlässt. Doch dazu kam es nicht: Verteidiger Christoph Rühlmann (58) beantragte das Verfahren einzustellen. Der Tod des Polizisten sei tateinheitlich mit den Diebstählen, die bereits in Hildesheim verurteilt wurden. Eine Doppelverfolgung sei jedoch verboten.

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Das Gericht sieht es vorläufig anders: "Die Kammer hat sich über die Frage des Strafverbrauchs ausführlich beraten", sagt der Vorsitzende Richter Frank Schollbach (60). "Wir haben bislang eine einheitliche Tat nicht angenommen."

Seit Mittwoch läuft im Cottbuser Landgericht der Prozess gegen den polnischen Staatsbürger.
Seit Mittwoch läuft im Cottbuser Landgericht der Prozess gegen den polnischen Staatsbürger.  © Ove Landgraf

Der Tatentschluss dürfte ein neuer gewesen sein. Allerdings muss das Gericht über den Antrag nun beraten. Der Prozess wird fortgesetzt.

Erstmeldung vom 14. Januar, 11.57 Uhr. Letzte Aktualisierung am 14. Januar, 12.56 Uhr.

Titelfoto: Bildmontage: Sebastian Kahnert/dpa, Ove Landgraf

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