Ehefrau aus 22. Stock gestoßen? Mann steht vor Gericht, Details der Anklage sind schockierend
Von Sabine Maurer
Frankfurt am Main - Ein Mann soll seine Ehefrau von dem Balkon eines Frankfurter Hotelzimmers im 22. Stock in die Tiefe gestoßen haben. Im Landgericht hat ein aufwendiger Indizienprozess begonnen - mit schockierenden Details.
Der Angeklagte werde sich nicht zur gestellten Anklage äußern, erklärte seine Rechtsanwältin.
Ihm wird heimtückischer Mord aus Habgier von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen: Der Deutsch-Brite habe seine Frau getötet, um mit seiner Geliebten zusammenleben zu können, sich eine Scheidung zu sparen und auch Geld aus dem Erbe zu erhalten.
Das Paar war elf Jahre verheiratet gewesen und lebte mit den zwei gemeinsamen Kindern in einem Einfamilienhaus in Rodgau (Landkreis Offenbach).
Laut Anklage verliebte sich der Mann im November 2022 in eine fast 23 Jahre jüngere Frau, die er während seiner Tätigkeit als ehrenamtlicher Fußballtrainer kennengelernt hatte - die beiden begannen demnach daraufhin eine Affäre.
Bereits nach wenigen Wochen habe die Ehefrau davon erfahren. Er soll ihr zugesichert haben, die Affäre zu beenden.
Seiner Freundin soll er hingegen gesagt haben, sich von seiner Ehefrau getrennt zu haben. Eine Scheidung hätte den Mann jedoch finanziell ruiniert, las die Staatsanwältin aus der Anklage vor. Spätestens im April 2023 sei der heute 60-Jährige auf die Idee gekommen, seine Frau zu töten, und habe angefangen, im Internet nach unauffälligen Tötungsmöglichkeiten zu suchen.
So habe er etwa nach steilen Wanderwegen und giftigen Kräutern gesucht sowie sich über sedierende Substanzen wie K.-o.-Tropfen informiert. Schließlich habe er sich allerdings dazu entschlossen, die Frau aus großer Höhe zu stürzen.
Prozess vor Frankfurter Landgericht: Frau stürzte 61 Meter in den Tod
Hierzu habe er für den Vatertag im Mai 2023 ein Zimmer in einem Frankfurter Hotel gebucht.
Bei der Reservierung habe der Deutsch-Brite nach einem "Zimmer mit guter Sicht" in den oberen Etagen gebeten. Seiner 40 Jahre alten Ehefrau habe er entsprechend gesagt, er wolle die Nacht mit ihr in dem Hotel verbringen - um die Ehe zu retten.
Laut Staatsanwaltschaft verlebte das Ehepaar am Vatertag einen harmonischen Abend, zunächst in einem Restaurant und dann in einer Bar im Stadtteil Sachsenhausen. Der Mann soll sich beim Alkohol zurückgehalten haben, während die Frau so viel trank, dass sie zurück im Hotel kurz vor Mitternacht durch die Lobby gewankt sein soll.
Im Hotelzimmer soll der Angeklagte kurz darauf die 1,60 Meter große Frau, die an Höhenangst litt, über das 1,14 Meter hohe Gelände des Balkons gestoßen haben.
Die Frau fiel 61 Meter in die Tiefe, sie war sofort tot.
Ihr Mann lief laut Anklage in die Lobby und berichtete, seine Frau sei vom Balkon gefallen. Untersuchungen ergaben, dass sie etwa 1,9 Promille Alkohol intus gehabt hatte. Ob ihr K.-o.-Tropfen verabreicht wurden, konnte nicht mehr festgestellt werden.
Nach dem Tod der Frau soll der Angeklagte sich mit seiner Freundin ein neues Leben aufgebaut haben: Er soll das Haus der Familie verkauft und sich ein neues gekauft haben, in das er mit seiner Freundin sowie seinen Kindern einzog. Zudem beantragte er nicht nur bei der Lebensversicherung der Frau eine Auszahlung und erhielt zudem eine monatliche Witwerrente. Plus: Er soll über eine GoFundMe-Kampagne mehr als 10.000 Euro Spenden kassiert haben.
Titelfoto: IMAGO/brennweiteffm

