Flixbus-Tragödie mit vier Toten: Deshalb verzog der Fahrer das Lenkrad
Leipzig - Am Leipziger Landgericht ist am Freitag der Prozess gegen den Fahrer des Flixbusses gestartet, der im März 2024 auf der A9 verunglückte und bei dem vier Frauen starben. Direkt zu Beginn gab der Angeklagte eine Erklärung ab und bestätigte die Schilderungen der Staatsanwaltschaft zum Unfallhergang.
Bei dem Unfall im März 2024 kamen auf der Autobahn A9 bei Leipzig vier Frauen (19, 20, 43, 47) ums Leben, die sich als Passagiere an Bord des Busses befanden. 46 weitere Insassen wurden teils schwer verletzt.
"Der Sachverhalt ist zutreffend", sagte Verteidiger Peter Pospisil (59). "Ich soll Ihnen ausrichten, dass es ihm unendlich Leid tut, was passiert ist. Er würde die Zeit zurückdrehen, doch das kann er nicht." Der Unfall habe auch sein Leben verändert. "Seit Mai 2024 hat sich Herr S. selbst in Psychotherapie begeben bis heute."
Dem Anwalt zufolge lag bei dem Unglück keine Übermüdung vor. Alkohol und Drogen sollen keine Rolle gespielt haben. Vielmehr bestätigte die Verteidigung den von der Staatsanwaltschaft geschilderten Ablauf: Die Sonne den Fahrer auf der Autobahn geblendet, weshalb er nach seiner Mütze griff. Dabei verzog er das Lenkrad, wodurch der Bus ins Schlingern geriet.
Auch ein 46-jähriger Lkw-Fahrer, der vor Gericht als Zeuge auftrat, hatte erklärt, dass ihm die Sonne an dem Morgen ins Gesicht geschienen habe.
"Bis zum Unfall ist mein Mandant korrekt gefahren. Bis zum Zeitpunkt hatte er keine Eintragungen. Er war kein Risikofahrer", so der Verteidiger. "Es handelt sich um ein einmaliges fahrlässiges Fehlverhalten."
Keine technischen Mängel am verunfallten Flixbus
Ein Sachverständiger der DEKRA lieferte am Nachmittag genauere Einblicke zum Bus und dem Unfallhergang. Demnach habe es an dem Fahrzeug keine Hinweise auf Reifenplatzer oder andere Ereignisse gegeben.
Bei der Untersuchung des Busses seien keine technischen Auffälligkeiten festgestellt worden. "Die Unfallursache lässt sich somit nur auf die subjektive Fahrweise zurückführen." Die Schilderung der Staatsanwaltschaft, der Bus sei beim Griff nach der Mütze von der Fahrbahn abgekommen, könne dabei nicht ausgeschlossen werden.
Der Bus habe ihn kurz zuvor überholt und sei dann vor ihm eingeschert, erklärte der Lkw-Fahrer. Ein paar Meter weiter sei er dann nach rechts geraten, kurz darauf sei er umgekippt.
Laster-Fahrer im Prozess: "Das war für mich der Horror"
Der Lasterfahrer habe zusammen mit zwei Autofahrern sofort gehalten, um den verunglückten Menschen zu helfen. "Das war für mich der Horror. Ich habe eine Dame gesehen, ihr halber Körper lag unter dem Bus."
Der Kopf einer zweiten, älteren Dame sei voller Blut gewesen sein. "Ihre Beine waren unter dem Bus. Sie hat nach Hilfe gerufen. Darunter war eine Leiche."
Die Feuerwehr habe schließlich übernommen. Die Bilder würden den 46-Jährigen bis heute beschäftigen.
Die vier Frauen, die bei dem Unfall ums Leben kamen, sollen allesamt auf der oberen Ebene des Busses gesessen haben und nicht angeschnallt gewesen sein. Bereits zuvor hieß es während der Verhandlung, die Frauen wurden bei der Tragödie aus dem Fahrzeug geschleudert und von diesem zerquetscht, als es kippte.
Erstmeldung am 13. März, 11.50 Uhr. Zuletzt aktualisiert um 15.22 Uhr.
Titelfoto: Bildmontage: Silvio Bürger; News5/Grube
